Ein letzter Post aus Amman

admin | Juni 10th, 2005 - 16:24

Ich weiß, längere Zeit nicht gemeldet… die letzten Tage im Boarding-House sind mittlerweile vorüber, die Jungs sind gestern nach Hause gegangen. Ich war zwischenzeitlich noch bei 5 meiner Kinder zu Hause, bei zwei von ihnen ein 2. Mal. Der Abschied gestern war nicht so traurig, wie gedacht, aber ich weiß, dass sie mir alle fehlen werden… so bin ich selbst jetzt nur noch kurz hier.

Volker ist vorgestern angekommen, heute Steffen, ein Student, der in Beirut war – wir werden die nächsten Tage sicherlich etwas mit ihnen machen. Morgen oder Samstag geht es noch einmal ans Tote Meer und in ein Naturreservat. Heute waren wir auf dem Kleidermarkt in Amman, der immer Freitags ist und haben wieder viele lustige Sachen gesehen, aus der Altkleidersammlung, auch aus Deutschland (z.B. eine Verdi-Kappe). Es gibt wirklich alles, auf was man niemals kommen würde.

Unsere Prepaid-Internetkarte ist nur noch heute gültig, ich werde wahrscheinlich erst aus Deutschland wieder auf die Webseite schreiben, da ich jetzt nur noch sehr kurz bei Musa zum Email-checken ins Büro kann, aber nicht für mehr.

Das genaue Flugdatum gibt es hier jetzt aber nicht zu lesen, ihr habt mich aber bald wieder… viele liebe Grüße, ein letztes Mal aus Amman!

TSS und Schnorcheln in Aqaba

admin | Juni 1st, 2005 - 16:19

Kaum hat man mehrere e-mails an den Support geschrieben und sich beschwert, dass die Seite nicht erreichbar ist, schon ist sie 7 Tage später wieder erreichbar! Unglaublich, die Freude ist groß. Ich muss zugeben, dass ich einen billigen Anbieter benutze, der leider nicht immer zuverlässig zu sein scheint, irgendwie. Keine Ahnung, was diesmal los war – es war jedenfalls nicht mein Fehler.

Gestern gab es Barbecue mit allen Kindern, dementsprechend groß war natürlich die Begeisterung. Hier sind z.Zt. die Abschlussprüfungen, d.h. die Jungs haben jeden Tag eine Prüfung bis nächste Woche Donnerstag, wo dann die Schule aufhört und sie in die Sommerferien gehen können. Das ist der 9.6., an dem dann voraussichtlich Volker aus Israel für ein paar Tage kommen wird. Unser Heimflug ist momentan für den 17.6. angesetzt, was aber noch nicht sicher feststeht. So oder so bin ich noch weniger als 3 Wochen hier und versuche, das Beste aus der Zeit zu machen und sie zu genießen.

Hier noch das, was ich eigentlich schon am Sonntag auf die Webseite schreiben wollte, was aber ja leider nicht ging, da sie nicht erreichbar war…

Es scheint mehrmals eine Störung mit meiner Seite gegeben zu haben, ich konnte sie jedenfalls bis heute nicht aufrufen, um euch mitzuteilen, dass ich einen Kurzurlaub in Aqaba machen werde… dieser ist allerdings schon wieder vorbei. Ich war mit den Volontären aus As-Salt 2 Tage Schnorcheln und Sonnen – und natürlich gammeln und faulenzen am Roten Meer. Es waren 2 wirklich schöne Tag und ich habe diverse bunte Fische beobachten können, was sowohl spannend als auch beängstigend war. Leider schwimmt nicht nur friedliches Getier da herum. Ich bin 3 Mal einem hochgiftigen Fisch begegnet. Wenn der weit weg von einem an seinen Korallen rumschwimmt ist es ja egal, aber wenn man aus dem Wasser will und so ein Ding ist plötzlich 1 1/2 Meter von einem enfternt ist das schon fies. Er hat sich zwar nicht bewegt, aber ein tolles Gefühl ist es nicht gerade, wenn man weiß, dass er zwar klein ist, einen aber möglicherweise umbringen kann.Dennoch war es natürlich toll, auch wenn mir immer wieder mal ein wenig mulmig wurde.

In Aqaba war es bulleheiß, und so hatten alle außer mir zumindest teilweise Sonnenbrand. Letzte Nacht habe ich am Strand gepennt, weil es Nachts so unheimlich warm ist. Hier in Amman ist es aber ein wenig “kühler” (trotzdem um die 30 Grad). Der ganze Ausflug war ziemlich spontan, ich wusste davon erst am Dienstag. Da ich aber nicht alleine in der TSS rumhängen wollte habe ich nicht lang überlegen müssen. Das einzig weniger tolle war der Zustand des Mietautos (kein Wunder bei über 300.000 km) und vor allem der Zustand der Reifen. So ist uns bei der Hinfahrt der rechte hintere Reifen geplatzt – zum Glück ging alles glimpflich aus, weil das Auto zwar gewackelt hat, aber nicht von der Bahn abgekommen ist. Ich brauche so was aber nicht noch einmal.

Von meiner Arbeit gibt es nicht viel Neues, ich habe am Montag Abend mit dem Beamer der Schule den Kindern, die wollten, 400 Bilder als Diashow gezeigt (nur Bilder der Jungs), was auf große Begeisterung gestoßen ist. Den Dienstag habe ich hauptsächlich mit Window-Color-Beaufsichtigen verbracht, wonach meine Jungs immer noch wild wie blöde sind.

Heute hatten wir noch den Mietwagen von Steffen. Seine Eltern sind morgens geflogen und er muss das Auto erst Montag Morgen abliefern. So waren wir heute in Wadi-As-Seer, ein nettes Tal direkt bei Amman mit einer Ruine und ein paar alten Gräbern. Schließlich waren wir noch im neuen Automobil-Museum in Amman, wo die ganzen Staatskarossen seit Staatsgründung herumstehen. Ist ganz nett gemacht, auch wenn man sich fragt, wofür König Hussein 2 Ferrari und 2 Porsche gebraucht hat, wo 1/3 seines Volkes unter der Armutsgrenze lebt – aber nun ja. In einem Raum mit Beamer lief RTL mit Formel 1 und so konnten wir Teile des Rennens verfolgen – und ich habe seit 10 Monaten das 1. Mal wieder bunte Autos Kreise fahren sehen. Allerdings ist mein Interesse daran doch schon zurückgegangen, zumindest ist mir das Endergebnis völlig egal ;-)

Allein in Amman?

admin | Mai 22nd, 2005 - 16:17

Hier ist mal wieder nicht viel los. Ich habe mein Handy gestern dank eines Jungen fallen lassen, Display kaputt, kostet mich wohl um die 25 Euro. Argh. Ihn kann ich nicht belangen, er hat ja nichts. ;)

Ansonsten bin ich jetzt ganz allein, da Steffen mit seinen Eltern Richtung Süden gefahren ist und erst Freitag wieder kommt. Ich will die Zeit aber gut füllen und viel machen. Gestern Abend waren wir bei meinem Erzieher zum Abendessen eingeladen, es war mal wieder sehr nett und ich habe wieder festgestellt, was für ein lieber Kerl er doch ist und dass ich ihn sicher vermissen werde.

Überhaupt will ich hier jetzt – so wie Eva – auch nicht mehr weg. Scheiße! Der Gedanke, nach Deutschland zurückzukehren ist sehr merkwürdig. Ich werde glaube ich doch größere Probleme bekommen als ich hier im Herbst hatte, als ich in Jordanien ankam. Aber wir werden sehen. Der Abschied von Eva war sehr tränenreich und traurig, wir vermissen sie und es ist schon komisch.

Window Color an der TSS

admin | Mai 20th, 2005 - 16:14

Nachdem ich völlig zu recht als faul bezeichnet wurde (anfangs viele Berichte, später weniger), hier ein Überblick über die vergangenen Tage.

Erst einmal habe ich mit Erschrecken festgestellt, dass ich nur noch 12 Arbeitstage habe. Das ist doch weniger, als gedacht. Zudem ist die Schule hier bereits am 9.6. zu Ende. Wann ich nun aber genau nach Hause komme, ist ungewiss – sicher jedoch spätestens am 20.6. Die letzten Tage habe ich mit meinen Jungs Window Color gemacht. Das war relativ anstrengend, weil alle gleichzeitig wollen, man ständig aufpassen muss weil sie nicht mit den Farben umgehen können und und und… manche stellen sich doof an, andere sind äußerst gut. Schon witzig. Besser ist aber, dass wirklich ALLE Kinder Interesse daran haben. Hätte ich nicht gedacht. Der eine malt immer nur Autos, der andere Palästinafahnen, wiederum andere malen Vorlagen ab – aber jeder möchte etwas machen. Finde ich ganz schön, wenn auch, wie gesagt, partiell anstrengend. Aber es gibt wahrlich Schlimmeres :)

Die nächsten Tage will ich noch einmal ein wenig Basteln und ein paar Brettspiele spielen, zum Abschluss also jeden Tag was machen. Ansonsten sind die letzten Tage geprägt gewesen von Evas Abreise. Heute Nacht um 3 geht ihr Flieger nach Deutschland und es ist schon sehr komisch. Große Verabschiedung überall, und mir selbst wird bewusst wie kurz ich nur noch hier bin. Ich freue mich schon auf Deutschland, aber irgendwie geht das jetzt doch ein wenig schnell alles. Wir finden es schade, dass Eva vorzeitig gehen muss, aber da lässt sich nichts dran ändern.

Gestern waren wir noch bei 2 Jungs zu Hause, der eine war mal bei mir in der Familie, war mal wieder ganz interessant. Heute habe ich draußen einen runden Metallbogen gestrichen, da der doch ziemlich heruntergekommen aussah. Jetzt ist er wieder halbwegs ansehnlich. Nächste Woche werde ich alleine sein, da Steffen mit seiner Familie dann in Aqaba ist. Mal sehen, was ich in dieser Zeit mache, sicherlich werde ich mal die Volontäre aus Salt treffen und auch mal was mit Hazim machen, der hier in der Autowerkstatt arbeitet. Nächste Woche haben wir 5 Tage frei, wegen dem Unabhängigkeitstag. Was ich dann den lieben langen Tag über machen werde, muss ich mal schauen, aber mir fällt sicher was ein.

Barbecue und Totes Meer und Reisebericht Israel

admin | Mai 16th, 2005 - 16:01

Gestern und vorgestern waren besondere Tage für meine Jungs.Wir haben mit unserer Schneller-Family am Samstag Barbecue gemacht. Wir waren auf dem Campingplatz, der hier auf dem Gelände ist und haben dort Hähnchen, Tomaten, Zwiebeln und Kartoffeln dem Feuer überlassen! Die Jungs waren in 3er bis 6er Gruppen zusammen und hatten immer einen eigenen kleinen Grill und jede Menge Spaß. Es war eben eine willkommene Abwechslung vom Schneller-Alltag. Natürlich gab es noch ein großes Feuer, der Internatsleiter Najib kam auch noch hinzu und so war es ein sehr schöner Abend.

Gestern waren wir dann mit meinen Jungs am Toten Meer. Wir haben einen Bus gemietet, Sandwiches und Getränke mitgenommen und los gings – allein auf der Fahrt war es schon eine gute Stimmung (Party-ähnlich), am Meer angekommen waren die Jungs natürlich nicht mehr zu halten. Mein Erzieher, Issa, war auch mit im Wasser und so hatten dann alle 21 Jungs, er und wir (Eva und Steffen sind mitgekommen) einen tollen Nachmittag. Für viele der Kinder war es das erste Mal im Toten Meer – und das, obwohl es nicht einmal 1 1/2 Stunden Fahrt von Amman entfernt ist. Die anderen Kinder waren natürlich schon neidisch, denn so was gibt’s nicht alle Tage!

An dieser Stelle danke ich schon einmal allen aus dem Freundeskreis, die etwas zu der Spende, die mir mitgebracht wurde, beigetragen haben. Für die Kinder war es etwas Einmaliges und es war schön, sie so glücklich zu sehen. Natürlich ist längst nicht alles in diese 2 Aktivitäten gegangen, die Jungs haben schon seit längerem neue Fußbälle etc. Jedenfalls war es ein außergewöhnliches Wochenende, was sicherlich nicht nur mir in Erinnerung bleiben wird.

Heute kommen Steffens Eltern an, Freitag reist Eva ab – es ist immer etwas los. Nächste Woche werde ich folglich alleine an der Schule sein, was aber auch nicht weiter tragisch ist. A propos Abreise: Mitte bis Ende Juni hat Deutschland mich wieder. Durch Evas Abreise ist mir bewusst geworden, dass ich nur noch 5 Wochen hier im Land bin, und so versuche ich das Beste aus dieser Zeit zu machen. Sicher wird es wieder schneller vorübergehen als gedacht.

Ich wollte ja noch was über Israel schreiben… daher hier das, was in meinem aktuellen Rundbrief steht (ein bisschen viel, aber ich wollte nicht für die Webseite noch einmal alles schreiben):

Die letzte Woche waren hier an der Schule Osterferien, da Ostern hier einen Monat später als in Deutschland gefeiert wird. So sind wir also gleich weitergereist nach Israel, oder, genauer, erst einmal nach Jerusalem.

An der Grenze lief – wen wundert es – mal wieder nicht alles so, wie gedacht. Unsere Visa von Syrien und dem Libanon waren dafür verantwortlich, dass wir ganze 2 Stunden auf unser Visum für Israel warten durften. Ich fand es nicht so schlimm und auch fast verständlich. Immerhin darf man nach Israel einreisen, wenn man Visa von diesen Staaten hat, anders herum ist es nicht möglich. Ansonsten wird das Gepäck natürlich total auseinander genommen und an 3 verschiedenen Stellen werden einem die selben Fragen gestellt, um zu sehen, ob man sich nicht irgendwann doch noch  widerspricht. Schließlich hat alles geklappt und wir waren im “Besetzen Palästina” (so die offizielle Bezeichnung Syriens für Israel).

In Jerusalem sind wir in einer Herberge direkt in der Altstadt abgestiegen. Nach einer Nacht war uns dann aber klar, dass ein Schlafsaal, wo ständig Leute raus- und reingehen und um 5 Uhr morgens Wecker klingeln doch nicht das Wahre ist. So sind wir in ein zwar doppelt so teures, aber immer noch billiges Hotel umgezogen. Die Zimmer waren zwar nicht wirklich sauber, warmes Wasser gab es auch nicht, und auf die Frage nach Handtüchern bekamen wir dann benutzte, nicht gewaschene, aber es war schon in Ordnung. Wir hatten immerhin eigene Zimmer, es gab kostenlos Tee, eine Dachterrasse mit toller Sicht auf die Altstadt und den Tempelberg und einer der Angestellten war auch sehr nett.

In diesem Hotel haben wir dann am letzten Abend einen Palästinenser kennen gelernt, der 11 Jahre in Deutschland gelebt hat und am nächsten Tag das 2. Staatsexamen für Jura hatte. Wir haben uns erst über alles mögliche unterhalten, bis wir schließlich zum Thema Israel und Palästina kamen. Er meinte, seine Meinung wäre natürlich nie objektiv oder würde zumindest nie als objektiv gesehen. Natürlich hat er Israel kritisiert, und in vielen Punkten hatte er durchaus Recht, in manchen Sachen ging es Richtung Verschwörungstheorie (Möllemann sei möglicherweise durch den israelischen Geheimdienst Mossad getötet worden, und dass Arafat vergiftet wurde sei ja auch allen klar). Davon kann man halten, was man will – sicher ist nur, dass den Geheimdiensten mancher Länder so ziemlich alles zuzutrauen ist ;) . Jedenfalls war es eine sehr interessante Unterhaltung.

Jerusalem an sich ist eher weniger aufregend, abgesehen natürlich von der Altstadt mit ihren engen Gässchen, den vielen Händlern usw. Selbstverständlich waren wir in den diversen religiösen Stätten wie der Grabeskirche, sind die Via Dolerosa entlanggelaufen (der Kreuzweg), waren in einigen Kirchen, auf dem Ölberg, dem Tempelberg, an der Klagemauer und im Garten Gethsemane. Israel wird ja nicht umsonst das “Heilige Land” genannt.

An einem Tag haben wir uns mit Volker, auch ein Freund von mir und Volontär in Jerusalem, getroffen. Er hat uns ein paar Ecken gezeigt, die wir sonst wohl nicht gesehen hätten, unter anderem das Viertel der Ultraorthodoxen Juden. Hier hatten wir schon den Eindruck, nicht willkommen zu sein. Da Volker nachmittags arbeiten musste, sind wir zur Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gegangen. Hier sind die Grausamkeiten der Nazis relativ gut aufgearbeitet. Ich hatte doch ein komisches Gefühl zwischen all den Juden herum zu laufen – was nicht an den ganzen Filmen, Bildern und Texten lag, sondern den Blicken, die uns teilweise zugeworfen wurden. Ich habe wegen diesen Blicken ganz gemischte Gefühle gehabt. Einerseits wollte ich in diesem Moment lieber eine andere Nationalität haben, andererseits kann ich nun wirklich nichts für die Vergangenheit Deutschlands. Leider wird in Yad Vashem nichts z.B. von den Beziehungen zwischen Israel und Deutschland nach dem 2. Weltkrieg geschrieben, so dass man – nachdem die Verbrechen des 3. Reich detailliert dargestellt werden – eigentlich nur ein negatives Bild nicht nur von Deutschland damals, sondern auch von heute haben kann. Wir hatten jedenfalls diesen Eindruck und fanden das ein wenig schade. Auf keinen Fall darf man die Geschichte vergessen, und es muss immer in Erinnerung bleiben, aber es sollte nicht zu Lasten der heutigen Generation sein. Auch über den Widerstand ist wenig zu sehen, von Deutschen, die Juden geholfen haben, wird einzig Oskar Schindler genannt. Leider werden fast nur die Verbrechen an den Juden behandelt; Sinti und Roma sowie Menschen mit Behinderungen, die genauso getötet wurden, finden wenig Beachtung. Da es eine Gedenkstätte für die ermordeten 6 Millionen Juden ist kann man das wohl auch nur bedingt erwarten. Inhaltlich und technisch kann man sonst nicht meckern. Es ist so viel Material angehäuft, dass man wohl einen ganzen Tag bräuchte, um alles zu lesen und zu sehen. Manche Dinge haben mich weniger berührt, wenn man dann aber ein Interview von einer Überlebenden sieht, die 7 Jahre alt war, als sie nicht er-, sondern nur angeschossen wurde oder wenn man einzelne andere Schicksale nachlesen kann und Fotos dazu sieht, ist man schon erschüttert. Besonders getroffen hat es mich, als ich über einen Glasboden gelaufen bin, unter dem eine große Anzahl Schuhe lag, die Juden vor ihrer Vernichtung im KZ Auschwitz ausziehen mussten und die dann auf einem Haufen gesammelt wurden. Mit der Zahl von 6 Millionen kann man nicht viel anfangen, der Verstand sagt einem nur, dass es schlimm ist – getroffen ist man dann erst, wenn man entsprechendes Material zu Gesicht bekommt. Am Ende ist man dann um so trauriger, wenn man weiß, dass zu viele aus der Geschichte nichts gelernt haben.

Unser Aufenthalt in Israel war aber nicht nur auf Jerusalem beschränkt. Wir waren in Betlehem in der Kirche, die über dem Stall steht, wo Jesus geboren sein soll. Betlehem ist eine ganz normale arabische Stadt und außer der Kirche gibt es eigentlich nichts, was sehenswert wäre. Die Stadt liegt im Palästinensischen Autonomiegebiet. Wir sind von dort aus weiter nach Hebron gefahren, wo uns nach kurzer Zeit ein Araber nicht mehr von der Seite gewichen ist und uns eine Stunde lang herumgeführt hat. In Hebron gibt es mitten in der Stadt jüdische Siedler. Grenzstraßen sind total leer, man sieht kaum Menschen, dafür Soldaten und Kontrollposten. Das war schon sehr krass, vor allem, als uns dann erzählt wurde, dass es jeden Tag Ärger gibt. So bewerfen sich jüdische und arabische Kinder wohl des Öfteren mit Steinen, und auch die Erwachsenen wenden natürlich Gewalt an. In Hebron gibt es zu allem Überfluss eine Moschee, die für beide Religionen ein Heiligtum darstellt, da hier Abraham begraben liegen soll. 1994 drang ein jüdischer Siedler in die Moschee ein und erschoss 35 betende Muslime, seitdem gibt es strengste Sicherheitsvorkehrungen und auch wir wurden natürlich durchsucht. Es ist irgendwie so aufgeteilt, dass abwechselnd Moslems und Juden hinein dürfen. Uns war schon sehr mulmig, als wir direkt in dieser kritischen Zone herum gelaufen sind und so waren wir dann froh, als es wieder zurück nach Jerusalem ging. Natürlich wurde unser Bus am Kontrollpunkt dann auseinander genommen. Alle Männer durften aussteigen und ein Soldat hat dann uns draußen, ein anderer die Frauen drinnen kontrolliert. Bei uns gab es keine Probleme, aber wir hatten nicht nur dieses Mal den Eindruck, dass es einigen der Soldaten Spaß zu machen scheint, sich einen oder mehrere Araber herauszupicken und ein wenig zu schikanieren. Sie haben eben die Macht und können im Prinzip machen, was sie wollen.

Nachdem uns erzählt wurde, dass “Jerusalem nicht Israel” sei, haben wir dann beschlossen, nach Tel Aviv und Tiberias zu fahren. Es stimmt schon, in Jerusalem kommt man oft auch mit seinen Arabischkenntnissen weiter, in Tel Aviv dagegen überhaupt nicht mehr. Witzig war, dass wir mehrmals auf Hebräisch angeredet wurden. Für uns war das neu, weil wir in Jordanien und allen anderen arabischen Ländern immer sofort als Ausländer erkannt wurden, hier aber durchaus zur Bevölkerung gehören könnten. Tel Aviv ist eine schöne Stadt, besonders die Lage am Mittelmeer ist natürlich genial und dank des langen Strandes kann man auch super baden oder sich einfach nur ans Meer setzen und den Moment genießen.

Ein Tag westliche Großstadt war uns dann aber auch genug, und so waren wir noch einen Tag in Tiberias am See Genezareth. Hier wurden wir von Sintflutartigen Regenfällen überrascht – damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Eigentlich wollten wir Fahrräder mieten, das fiel dann aber buchstäblich ins Wasser. Immerhin schien später wieder die Sonne und wir hatten noch einen schönen Tag. In unserem Hotel hatten wir dann sogar deutsches Fernsehen. Welcher Luxus! Einmal mehr ist uns dann aber gleichzeitig wieder aufgefallen, dass auf allen Kanälen Müll am laufenden Band kommt. Außer Nachrichten und ein paar Reportagen vermisse ich in dieser Richtung hier nun auch wirklich nichts.

Abschließend lässt sich zu Israel sagen, dass das Land sicher einen Besuch wert ist. Sympathisch wird es mir dadurch aber nicht. Erstens ist es zu teuer (teilweise teurer als Deutschland), und zweitens hatte ich zu oft das Gefühl, nicht erwünscht zu sein. Außerdem kritisiere ich die Politik der Regierung, die Israelis halten sich mehrheitlich offensichtlich für etwas Besseres als die Palästinenser und der Umgang der Israelis mit letzteren ist oft nicht in Ordnung. Ich sympathisiere eher mit den Arabern nach all dieser Zeit hier. Ich hoffe, dass sie ihren Staat bekommen, aber ich habe eher den Eindruck, dass es hier noch viele Probleme geben wird. Was ich auch nicht mochte, waren die ewigen Kontrollen. Selbst vor jedem Supermarkt wird man durchsucht und auf Dauer ist das doch sehr nervig und anstrengend. Das Volk ist (verständlicherweise?) sehr paranoid. Geschockt war ich, als wir erfuhren, dass Männer 3 und Frauen 2 Jahre Wehrdienst leisten und danach noch bis zum 40. Lebensjahr oder länger jedes Jahr ca. 1 Monat lang Dienst leisten müssen. So hat der Staat natürlich eine riesige Armee, aber ich als Wehrdienstverweigerer finde es ziemlich krank. Ich denke, mit einer anderen Politik könnten sie sich vieles ersparen in dieser Hinsicht.

Mal wieder ein kurzes Lebenszeichen

admin | März 14th, 2005 - 15:23

Zugegeben: Ich habe gerade keine Lust, großartig etwas zu berichten. Hier ist alles OK.

Momentan ist Johannes hier, einer der Volontäre vom letzten Jahr. Wir machen gerade 3 große Plakate um damit die Schneller-Schule vorzustellen, weil wir am Mittwoch in die ICS-School, eine internationale Schule in Amman, gehen werden. Ca. 20 Kinder, Bishara und wir 3. Ist schon mehr Arbeit, als gedacht. Zwischendurch war ich noch bei einem meiner Jungs zu Hause, was ganz witzig war – und wir waren, wie angekündigt, Klamotten-shoppen.

Das wars auch schon – ich muss in die Family, bei den Hausaufgaben helfen bzw. sie gleich vorschreiben.

Hausbesuche und neues Geschirr

admin | März 3rd, 2005 - 20:33

Lange nichts mehr geschrieben – das reißt noch ein. Ich werde echt faul.

Eigentlich wollten wir uns ja im Libanon befinden um diese Zeit. Leider mussten wir die Reise erst einmal verschieben, da die Sicherheitslage absolut nicht einzuschätzen ist. Hier wurde uns von allen Seiten davon abgeraten, und auch der Direktor der Schneller-Schule im Libanon meinte, man solle nur reisen, wenn es absolut dringend ist. So sind wir also dageblieben und hoffen mal auf eine Besserung der Lage.

Heute haben wir uns einen Mietwagen geholt um morgen nach Dana, einem Naturreservat, zu fahren. Soll richtig schön sein, wir werden also die nächsten 2 bzw. eher 1 1/2 Tage mit Wandern verbringen. Übernachten werden wir in einem kleinen Hotel, das ganz gut sein soll.

Tja, was gibt es sonst Neues… im Boarding-House ist so ziemlich alles beim Alten. Die Jungs haben alle neue Teller, Becher, Schälchen und Besteck bekommen und sind alle ziemlich happy gewesen, zumindest habe ich das bei mir in der Familie beobachtet. Ich bin froh, dass jetzt alle ausgestattet sind, denn viele hatten keine Tasse oder keinen Teller etc. Ich soll jetzt auch noch das Essen mit Messer und Gabel vormachen, da die Jungs immer alles nur mit den Händen (bzw. mit Fladenbrot, das als eine Art Schaufel verwendet wird) oder Löffel essen. Wird sicherlich nicht einfach, ich glaube nicht, dass sie da viele Interesse dran haben – wenn es auch anders einfacher geht… und sie sind es von zu Hause gewöhnt.

Gestern war ein Fußballmatch zwischen dem Boardinghouse und dem Lehrlingsheim hier an der Schule. Das war recht witzig, vor allem, weil die “Kleinen” aus dem Internat gewonnen haben. Haha! Die Lehrlinge wurden wohl als Strafe zum Putzen des Lehrlingsheims gezwungen. Dort wohnen die Jungs, die nach der 10. Klasse hier auf dem Gelände eine Ausbildung machen in der Schreinerei, der Metallwerkstatt oder der Autowerkstatt.

Heute waren wir bei 3 Jungs zu Hause, die Geschwister und alle auf der Schule hier sind. War ganz ok, auch wenn wir die meiste Zeit fern gesehen haben, da ihr Vater nicht da war. Der kam erst später und machte einen ganz netten Eindruck. Er ist von seiner Frau geschieden, sie wohnt im Norden in Ajloun und die Kinder eben bei ihm. Nur in den Ferien können sie ihre Mutter besuchen. Richtig ärmliche Verhältnisse sind es aber nicht, da habe ich schon deutlich krassere Sachen gesehen. Nächste Woche werde ich wohl zu Milad, einem Jungen aus meiner Family, gehen. Sein Vater ist offensichtlich bei der Army und ebenfalls geschieden von seiner Frau. Anschließend waren wir heute noch ein wenig shoppen, da Kleidung hier doch sehr billig ist. Heute Abend waren wir dann chinesisch essen, war richtig gut. Ich sage nur Chop Suey!

Ich melde mich wieder, wenn wir aus Dana zurück sind.

Schnee + neue Bilder

admin | Februar 8th, 2005 - 18:43

Gleich gibt’s Mittagessen mit “meinen” Kindern, denn seit gestern sind die Ferien vorbei! Musa war heut nicht da, denn es hat in Al-Fuheis geschneit, da kommt er mit dem Auto nicht mehr durch… daher konnte ich in seinem Buero ein paar Bilder hochladen!

abstecher zur university of jordan

admin | Januar 6th, 2005 - 18:17

uns gehts gut soweit, kein wunder, die kinder sind ja auch heim heute :-D

naja, viel arbeit ist eh nicht gewesen die letzten tage, da ja noch die volontaere aus dem libanon da waren. war eine ganz nette zeit auf jeden fall. dienstag waren wir in der university of jordan, wo die deutsche botschaft eine ausstellung zum thema “30 jahre deutschland in den vereinten nationen” eroeffnet hat. die ausstellung besteht zwar nur aus bildtafeln, lustig war es trotzdem, denn die studenten liefen dann ploetzlich mit mini-deutschland-fahnen herum und haben sich auf die infohefte gestuerzt.

die letzten tage hat es hier ordentlich geregnet, leider ist es auch wieder kaelter geworden, aber wird schon wieder waermer werden. heut abend wollen wir vielleicht nen film schauen, und morgen planen wir wohl mal unsere aegypten-reise.

besuch der libanesen

admin | Dezember 30th, 2004 - 18:09

pff… man mag es kaum glauben mit der flutkatastrophe. wir lesen ja fast täglich spiegel online, und es ist wirklich unvorstellbar, was man da so liest. davids (volontär in salt) chefin ist gerade in sri lanka. glücklicherweise ist ihr nichts passiert. man kann es sich aber wirklich nicht vorstellen, wenn man liest, dass bis zu 100.000 leute umgekommen sein könnten. wir haben augenzeugenberichte gelesen, man kann ja nur hoffen, dass sich die situation nicht noch verschlimmert und die hilfsaktionen erfolgreich verlaufen, um zu retten, was zu retten ist.

die letzten 3 tage waren trotz allem sehr schön. die volontäre von der schneller-schule im libanon sind am sonntag angekommen, die volontäre aus der einrichtung für behinderte in beirut am dienstag. wir haben sehr viel unternommen, waren viel in amman unterwegs, u.a. in vielen ecken, die ich selbst noch nicht gesehen hatte. besonders toll war natürlich, als dienstag abend florian ankam, der ja bei mir im jahrgang war. es war schon schön, sich auszutauschen. u.a. weiß ich jetzt, dass sie im libanon noch viel schlechter auto fahren als hier… und hier ist es schon schlimm! ;-)

heute sind sie nach petra weitergefahren, silvester wollen sie in aqaba verbringen. wir hätten gerne mit ihnen zusammen gefeiert, aber wir wollten nicht mit runter nach aqaba, da die hotels fast alle ausgebucht sind und es auch relativ teuer ist – wir wollen ja im januar noch nach ägypten. außerdem waren wir schon in aqaba. anfang januar werden sie jedenfalls zurück kommen, so dass wir dann da noch einmal zusammen etwas unternehmen können. wir werden silvester wohl erst chinesisch essen gehen und dann mal sehen, wohin wir uns in amman begeben, um das neue jahr einzuläuten… das können wir dann immer noch relativ spontan entscheiden.

wir haben momentan bis zum 3.1. ferien, allerdings waren die kinder diese woche 3 tage da. wir hatten allerdings trotzdem frei. im januar sind dann die midyear-exams für alle kinder, wo der tagesablauf anders aussehen wird und wo die kinder sehr viel study time haben, damit sie sich gut vorbereiten können. ab dem 13.1. haben wir dann über 3 wochen frei, wo wir die ägypten-reise geplant haben.

das wetter ist hier die letzten tage übrigens super, in downtown konnte man gestern in der sonne im t-shirt rumlaufen. auch heute war es wieder sehr schönes wetter. ach ja, heute waren wir mit elisabeth schulz, der deutschen pfarrerin, in einer pizzeria essen und danach im cozmo, einem supermarkt, der praktisch alles hat, einkaufen. war auch ein schöner tag. morgen abend werden wir wohl mit sebastian aus salt was machen. also, viele liebe grüße aus amman!

ps: ungeziefer gibt es hier ja eigentlich nicht, aber ich war dann doch erstaunt, gestern abend im flur einer mittelgroßen ratte zu begegnen… sie ist dann allerdings weggelaufen und war nicht mehr zu sehen. als ich mit fotoapparat wiederkam, saß sie wieder da, den kopf zu mir gereckt, aber zu weit weg – und dann war sie auch wieder verschwunden. irgendwer hatte unten im gebäude die tür offen gelassen, da muss sie wohl reingekommen sein. ich fands überhaupt nicht schlimm, aber es ist schon blöde, dass der müll, der immer noch offen rumliegt und ja auch essensreste beinhaltet dann ratten anzieht. wobei die es nicht leicht haben bei den vielen wilden katzen, die wir hier haben, da gleicht es sich dann wohl wieder aus ;-)