Barbecue und Totes Meer und Reisebericht Israel

admin | Mai 16th, 2005 - 16:01

Gestern und vorgestern waren besondere Tage für meine Jungs.Wir haben mit unserer Schneller-Family am Samstag Barbecue gemacht. Wir waren auf dem Campingplatz, der hier auf dem Gelände ist und haben dort Hähnchen, Tomaten, Zwiebeln und Kartoffeln dem Feuer überlassen! Die Jungs waren in 3er bis 6er Gruppen zusammen und hatten immer einen eigenen kleinen Grill und jede Menge Spaß. Es war eben eine willkommene Abwechslung vom Schneller-Alltag. Natürlich gab es noch ein großes Feuer, der Internatsleiter Najib kam auch noch hinzu und so war es ein sehr schöner Abend.

Gestern waren wir dann mit meinen Jungs am Toten Meer. Wir haben einen Bus gemietet, Sandwiches und Getränke mitgenommen und los gings – allein auf der Fahrt war es schon eine gute Stimmung (Party-ähnlich), am Meer angekommen waren die Jungs natürlich nicht mehr zu halten. Mein Erzieher, Issa, war auch mit im Wasser und so hatten dann alle 21 Jungs, er und wir (Eva und Steffen sind mitgekommen) einen tollen Nachmittag. Für viele der Kinder war es das erste Mal im Toten Meer – und das, obwohl es nicht einmal 1 1/2 Stunden Fahrt von Amman entfernt ist. Die anderen Kinder waren natürlich schon neidisch, denn so was gibt’s nicht alle Tage!

An dieser Stelle danke ich schon einmal allen aus dem Freundeskreis, die etwas zu der Spende, die mir mitgebracht wurde, beigetragen haben. Für die Kinder war es etwas Einmaliges und es war schön, sie so glücklich zu sehen. Natürlich ist längst nicht alles in diese 2 Aktivitäten gegangen, die Jungs haben schon seit längerem neue Fußbälle etc. Jedenfalls war es ein außergewöhnliches Wochenende, was sicherlich nicht nur mir in Erinnerung bleiben wird.

Heute kommen Steffens Eltern an, Freitag reist Eva ab – es ist immer etwas los. Nächste Woche werde ich folglich alleine an der Schule sein, was aber auch nicht weiter tragisch ist. A propos Abreise: Mitte bis Ende Juni hat Deutschland mich wieder. Durch Evas Abreise ist mir bewusst geworden, dass ich nur noch 5 Wochen hier im Land bin, und so versuche ich das Beste aus dieser Zeit zu machen. Sicher wird es wieder schneller vorübergehen als gedacht.

Ich wollte ja noch was über Israel schreiben… daher hier das, was in meinem aktuellen Rundbrief steht (ein bisschen viel, aber ich wollte nicht für die Webseite noch einmal alles schreiben):

Die letzte Woche waren hier an der Schule Osterferien, da Ostern hier einen Monat später als in Deutschland gefeiert wird. So sind wir also gleich weitergereist nach Israel, oder, genauer, erst einmal nach Jerusalem.

An der Grenze lief – wen wundert es – mal wieder nicht alles so, wie gedacht. Unsere Visa von Syrien und dem Libanon waren dafür verantwortlich, dass wir ganze 2 Stunden auf unser Visum für Israel warten durften. Ich fand es nicht so schlimm und auch fast verständlich. Immerhin darf man nach Israel einreisen, wenn man Visa von diesen Staaten hat, anders herum ist es nicht möglich. Ansonsten wird das Gepäck natürlich total auseinander genommen und an 3 verschiedenen Stellen werden einem die selben Fragen gestellt, um zu sehen, ob man sich nicht irgendwann doch noch  widerspricht. Schließlich hat alles geklappt und wir waren im “Besetzen Palästina” (so die offizielle Bezeichnung Syriens für Israel).

In Jerusalem sind wir in einer Herberge direkt in der Altstadt abgestiegen. Nach einer Nacht war uns dann aber klar, dass ein Schlafsaal, wo ständig Leute raus- und reingehen und um 5 Uhr morgens Wecker klingeln doch nicht das Wahre ist. So sind wir in ein zwar doppelt so teures, aber immer noch billiges Hotel umgezogen. Die Zimmer waren zwar nicht wirklich sauber, warmes Wasser gab es auch nicht, und auf die Frage nach Handtüchern bekamen wir dann benutzte, nicht gewaschene, aber es war schon in Ordnung. Wir hatten immerhin eigene Zimmer, es gab kostenlos Tee, eine Dachterrasse mit toller Sicht auf die Altstadt und den Tempelberg und einer der Angestellten war auch sehr nett.

In diesem Hotel haben wir dann am letzten Abend einen Palästinenser kennen gelernt, der 11 Jahre in Deutschland gelebt hat und am nächsten Tag das 2. Staatsexamen für Jura hatte. Wir haben uns erst über alles mögliche unterhalten, bis wir schließlich zum Thema Israel und Palästina kamen. Er meinte, seine Meinung wäre natürlich nie objektiv oder würde zumindest nie als objektiv gesehen. Natürlich hat er Israel kritisiert, und in vielen Punkten hatte er durchaus Recht, in manchen Sachen ging es Richtung Verschwörungstheorie (Möllemann sei möglicherweise durch den israelischen Geheimdienst Mossad getötet worden, und dass Arafat vergiftet wurde sei ja auch allen klar). Davon kann man halten, was man will – sicher ist nur, dass den Geheimdiensten mancher Länder so ziemlich alles zuzutrauen ist ;) . Jedenfalls war es eine sehr interessante Unterhaltung.

Jerusalem an sich ist eher weniger aufregend, abgesehen natürlich von der Altstadt mit ihren engen Gässchen, den vielen Händlern usw. Selbstverständlich waren wir in den diversen religiösen Stätten wie der Grabeskirche, sind die Via Dolerosa entlanggelaufen (der Kreuzweg), waren in einigen Kirchen, auf dem Ölberg, dem Tempelberg, an der Klagemauer und im Garten Gethsemane. Israel wird ja nicht umsonst das “Heilige Land” genannt.

An einem Tag haben wir uns mit Volker, auch ein Freund von mir und Volontär in Jerusalem, getroffen. Er hat uns ein paar Ecken gezeigt, die wir sonst wohl nicht gesehen hätten, unter anderem das Viertel der Ultraorthodoxen Juden. Hier hatten wir schon den Eindruck, nicht willkommen zu sein. Da Volker nachmittags arbeiten musste, sind wir zur Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gegangen. Hier sind die Grausamkeiten der Nazis relativ gut aufgearbeitet. Ich hatte doch ein komisches Gefühl zwischen all den Juden herum zu laufen – was nicht an den ganzen Filmen, Bildern und Texten lag, sondern den Blicken, die uns teilweise zugeworfen wurden. Ich habe wegen diesen Blicken ganz gemischte Gefühle gehabt. Einerseits wollte ich in diesem Moment lieber eine andere Nationalität haben, andererseits kann ich nun wirklich nichts für die Vergangenheit Deutschlands. Leider wird in Yad Vashem nichts z.B. von den Beziehungen zwischen Israel und Deutschland nach dem 2. Weltkrieg geschrieben, so dass man – nachdem die Verbrechen des 3. Reich detailliert dargestellt werden – eigentlich nur ein negatives Bild nicht nur von Deutschland damals, sondern auch von heute haben kann. Wir hatten jedenfalls diesen Eindruck und fanden das ein wenig schade. Auf keinen Fall darf man die Geschichte vergessen, und es muss immer in Erinnerung bleiben, aber es sollte nicht zu Lasten der heutigen Generation sein. Auch über den Widerstand ist wenig zu sehen, von Deutschen, die Juden geholfen haben, wird einzig Oskar Schindler genannt. Leider werden fast nur die Verbrechen an den Juden behandelt; Sinti und Roma sowie Menschen mit Behinderungen, die genauso getötet wurden, finden wenig Beachtung. Da es eine Gedenkstätte für die ermordeten 6 Millionen Juden ist kann man das wohl auch nur bedingt erwarten. Inhaltlich und technisch kann man sonst nicht meckern. Es ist so viel Material angehäuft, dass man wohl einen ganzen Tag bräuchte, um alles zu lesen und zu sehen. Manche Dinge haben mich weniger berührt, wenn man dann aber ein Interview von einer Überlebenden sieht, die 7 Jahre alt war, als sie nicht er-, sondern nur angeschossen wurde oder wenn man einzelne andere Schicksale nachlesen kann und Fotos dazu sieht, ist man schon erschüttert. Besonders getroffen hat es mich, als ich über einen Glasboden gelaufen bin, unter dem eine große Anzahl Schuhe lag, die Juden vor ihrer Vernichtung im KZ Auschwitz ausziehen mussten und die dann auf einem Haufen gesammelt wurden. Mit der Zahl von 6 Millionen kann man nicht viel anfangen, der Verstand sagt einem nur, dass es schlimm ist – getroffen ist man dann erst, wenn man entsprechendes Material zu Gesicht bekommt. Am Ende ist man dann um so trauriger, wenn man weiß, dass zu viele aus der Geschichte nichts gelernt haben.

Unser Aufenthalt in Israel war aber nicht nur auf Jerusalem beschränkt. Wir waren in Betlehem in der Kirche, die über dem Stall steht, wo Jesus geboren sein soll. Betlehem ist eine ganz normale arabische Stadt und außer der Kirche gibt es eigentlich nichts, was sehenswert wäre. Die Stadt liegt im Palästinensischen Autonomiegebiet. Wir sind von dort aus weiter nach Hebron gefahren, wo uns nach kurzer Zeit ein Araber nicht mehr von der Seite gewichen ist und uns eine Stunde lang herumgeführt hat. In Hebron gibt es mitten in der Stadt jüdische Siedler. Grenzstraßen sind total leer, man sieht kaum Menschen, dafür Soldaten und Kontrollposten. Das war schon sehr krass, vor allem, als uns dann erzählt wurde, dass es jeden Tag Ärger gibt. So bewerfen sich jüdische und arabische Kinder wohl des Öfteren mit Steinen, und auch die Erwachsenen wenden natürlich Gewalt an. In Hebron gibt es zu allem Überfluss eine Moschee, die für beide Religionen ein Heiligtum darstellt, da hier Abraham begraben liegen soll. 1994 drang ein jüdischer Siedler in die Moschee ein und erschoss 35 betende Muslime, seitdem gibt es strengste Sicherheitsvorkehrungen und auch wir wurden natürlich durchsucht. Es ist irgendwie so aufgeteilt, dass abwechselnd Moslems und Juden hinein dürfen. Uns war schon sehr mulmig, als wir direkt in dieser kritischen Zone herum gelaufen sind und so waren wir dann froh, als es wieder zurück nach Jerusalem ging. Natürlich wurde unser Bus am Kontrollpunkt dann auseinander genommen. Alle Männer durften aussteigen und ein Soldat hat dann uns draußen, ein anderer die Frauen drinnen kontrolliert. Bei uns gab es keine Probleme, aber wir hatten nicht nur dieses Mal den Eindruck, dass es einigen der Soldaten Spaß zu machen scheint, sich einen oder mehrere Araber herauszupicken und ein wenig zu schikanieren. Sie haben eben die Macht und können im Prinzip machen, was sie wollen.

Nachdem uns erzählt wurde, dass “Jerusalem nicht Israel” sei, haben wir dann beschlossen, nach Tel Aviv und Tiberias zu fahren. Es stimmt schon, in Jerusalem kommt man oft auch mit seinen Arabischkenntnissen weiter, in Tel Aviv dagegen überhaupt nicht mehr. Witzig war, dass wir mehrmals auf Hebräisch angeredet wurden. Für uns war das neu, weil wir in Jordanien und allen anderen arabischen Ländern immer sofort als Ausländer erkannt wurden, hier aber durchaus zur Bevölkerung gehören könnten. Tel Aviv ist eine schöne Stadt, besonders die Lage am Mittelmeer ist natürlich genial und dank des langen Strandes kann man auch super baden oder sich einfach nur ans Meer setzen und den Moment genießen.

Ein Tag westliche Großstadt war uns dann aber auch genug, und so waren wir noch einen Tag in Tiberias am See Genezareth. Hier wurden wir von Sintflutartigen Regenfällen überrascht – damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Eigentlich wollten wir Fahrräder mieten, das fiel dann aber buchstäblich ins Wasser. Immerhin schien später wieder die Sonne und wir hatten noch einen schönen Tag. In unserem Hotel hatten wir dann sogar deutsches Fernsehen. Welcher Luxus! Einmal mehr ist uns dann aber gleichzeitig wieder aufgefallen, dass auf allen Kanälen Müll am laufenden Band kommt. Außer Nachrichten und ein paar Reportagen vermisse ich in dieser Richtung hier nun auch wirklich nichts.

Abschließend lässt sich zu Israel sagen, dass das Land sicher einen Besuch wert ist. Sympathisch wird es mir dadurch aber nicht. Erstens ist es zu teuer (teilweise teurer als Deutschland), und zweitens hatte ich zu oft das Gefühl, nicht erwünscht zu sein. Außerdem kritisiere ich die Politik der Regierung, die Israelis halten sich mehrheitlich offensichtlich für etwas Besseres als die Palästinenser und der Umgang der Israelis mit letzteren ist oft nicht in Ordnung. Ich sympathisiere eher mit den Arabern nach all dieser Zeit hier. Ich hoffe, dass sie ihren Staat bekommen, aber ich habe eher den Eindruck, dass es hier noch viele Probleme geben wird. Was ich auch nicht mochte, waren die ewigen Kontrollen. Selbst vor jedem Supermarkt wird man durchsucht und auf Dauer ist das doch sehr nervig und anstrengend. Das Volk ist (verständlicherweise?) sehr paranoid. Geschockt war ich, als wir erfuhren, dass Männer 3 und Frauen 2 Jahre Wehrdienst leisten und danach noch bis zum 40. Lebensjahr oder länger jedes Jahr ca. 1 Monat lang Dienst leisten müssen. So hat der Staat natürlich eine riesige Armee, aber ich als Wehrdienstverweigerer finde es ziemlich krank. Ich denke, mit einer anderen Politik könnten sie sich vieles ersparen in dieser Hinsicht.

laptop und internetzugang in jordanien!

admin | September 8th, 2004 - 15:49

ha, es geht!

ich sitze in meinem zimmer und surfe im internet. schön schön! und das zu spottpreisen, ca. 15 cent/stunde. dafür allerdings nur 56k.

gibt nicht so viel neues. habe eben einen ersten rundbrief an alle geschrieben, die im adressbuch stehen – ich hoffe ich habe keinen vergessen. falls doch, hier ist er nochmal, für alle einsehbar:

Hallo!

endlich komme ich dazu, euch mal ein wenig aus Jordanien zu berichten.

Eben habe ich noch 50 min von Deutschland-Brasilien gesehen, aber der Erzieher wollte ins Bett und so sind wir dann aus seinem Haus verschwunden… man sollte die Freundlichkeit ja auch nicht gerade ausnutzen. Ich hätte mich schon längst gemeldet, aber mein Adressbuch ist nur auf dem Laptop, und ich konnte mit eben diesem bis heute nicht ins Internet, und im Internetcafe hatte ich eure Adressen leider nicht. Naja. Ich habe hier 2 Zimmer, im einen ist ein Tel-Anschluss, der nur intern ging, jetzt aber freigeschaltet wurde, so dass ich a) direkt nach D telefonieren kann und b) im Internet surfen kann. Schöne Sache, vor allem weil es viel billiger (2,50 ‚Ǩ für 20 Stunden) und bequemer als ein Internetcafe ist…

Wo ich gerade beim Zimmer bin: Also, ich habe mit den 2 anderen Freiwilligen in einem Gang ein Einzelzimmer, mit Waschbecken, aber ohne Dusche + WC. Beides ist auf dem Gang und ziemlich versifft, um es mal gleich auf den Punkt zu bringen :-D . Dann arbeite ich ja in einer Familie, d.h. 20 Jungs im Alter von ca. 13-14 Jahren mit einem Erzieher. Ich unterstütze diesen Erzieher (er heißt übrigens Issa) indem ich mit den Kindern Hausaufgaben mache, mit ihnen esse und ihre Freizeit gestalte. Es gibt hier 7 Familien a 20 Kindern. Morgens sind sie in der Schule, so dass ich bis um 2 Uhr mittags frei habe, allerdings muss ich um 6:30 aufstehen und mit ihnen frühstücken. Donnerstag und Freitag habe frei, evtl. bald auch noch Samstag.

In den Familien gibt es einen Schlafsaal, einen Essensraum und einen Aufenthaltsraum sowie ein großes Bad. Zusätzlich befindet sich dort ein Zimmer für den Erzieher mit eigenem WC und eigener Dusche, in dem ich während der Woche übernachte. Das Klo ist aber nicht in wesentlich besserem Zustand… aber man gewöhnt sich an alles :-D

Die Schule selbst ist ein wenig heruntergekommen, was wohl a) an fehlendem Geld liegt und b) an mangelnder Einsatzbereitschaft der Leute hier. So nach dem Motto: Wenn es auch so funktioniert, warum sollte man was ändern? Demenstprechend ist der Spielplatz auf gut Deutsch gesagt im Arsch, was wir möglichst ändern wollen. Außerdem wollen wir den Kindern ein Umweltbewusstsein vermitteln, da sie momentan – wie die meisten Jordanier – den Müll einfach fallenlassen. Irgendwer wird dann zwischendurch zum Saubermachen verdonnert, aber es sieht trotzdem scheisse aus (auf Sandflächen kann man den Müll auch nicht zusammenkehren, da bleibt er halt liegen). Stört hier aber keinen.

Die Arbeit an sich ist momentan nicht so doll, was an meinen mangelnden Arabischkenntnissen liegt – die Kinder verarschen mich und hören nicht wirklich auf das, was ich sage, allerdings wird sich das in Zukunft wohl bessern. Ich brauche halt noch ein paar Tage, um reinzukommen und noch Wochen, um halbwegs arabisch sprechen zu können. Momentan werde ich darin von einem Erziher, der auch Deutsch spricht unterrichtet, so dass ich schon ein paar Brocken kann, auch wenn die Aussprache wohl zu wünschen übrig lässt, aber ich kann – wie die anderen – das r meist nicht korrekt rollen und das h nicht so hauchen, wie man sollte – verstanden wird man aber trotzdem. Die Kinder sind an sich ganz in Ordnung, sind halt nervige und superliebe dabei, aber das ist ja normal…

Die Leute hier sind alle sehr nett und hilfsbereit, ich möchte mal in Deutschland so empfangen und behandelt werden… auf der Straße wird man von wildfremden Leuten mit “Welcome to Jordan” angesprochen, wenn man jemanden nach dem Weg fragt geben sie sich richtig Mühe (Handy rausholen und Bekannten fragen, wo es ist – oder sagen, man soll in den BMW einsteigen, woraufhin man dann direkt hingebracht wird – was für ein Service! OK, als wir im Auto saßen und der Mann erzählt hat, dass er aus dem Irak kommt, war es ein wenig komisch, aber er war auch superfreundlich…) und generell wird man immer freundlich begrüßt und herzlich empfangen.

Wir haben schon sehr viel gemacht, abends zusammengesessen und Argile geraucht (Wasserpfeife), in Amman verschiedene Viertel besucht (das Treiben in den Straßen Abends ist der Wahnsinn), der Deutschen Botschaft einen Besuch abgestattet, leckeres arabisches Essen ausprobiert (außerhalb der Schule, das Essen für die Kinder ist eher erbärmlich: jeden Mittag Reis mit wechselnder Beilage, Morgens und Abends Fladenbrot mit SEHR spartanischer Beilage, z.B. ein Stück Käse oder ein Ei oder oder oder…), und natürlich mittags den Swimmingpool ausgiebig genutzt (mit den Kindern, was ein wenig stressig ist, wenn 60 im Wasser sind, aber bei 37 Grad im Schatten ist das dann erstmal nebensächlich). Amman an sich ist eine wahnsinnige Stadt, ich finde sie total faszinierend… und dabei habe ich erst einen Bruchteil gesehen. Jetzt am Wochenende geht es nach Jerash, wo es viele römische Ruinen gibt und etwas ausführlicher nach Amman. Wir haben nämlich 4 Tage frei, weil ein islam. Feiertag ist.

Morgen bin ich bei einem Jungen aus meiner Familie zum Mittagsessen eingeladen, ich bin schon gespannt… ich soll jeden Donnerstag zu einem anderen nach Hause (das Wochenende verbringen die Schüler nicht im Internat), um die Familien kennen zu lernen und zu sehen, aus welchem Umfeld die Kinder kommen. Außerdem ist es natürlich spannend, direkt in einer jordanischen Familie zu sein, da einfach alles ein wenig anders ist als in D. Einen Kulturschock habe ich aber noch lange nicht bekommen ;-) – nervig ist, mit langen Hosen rumzulaufen, sobald man das Gelände der Schule (im Übrigen 6,5 km2) verlässt, aber es ist nicht so schlimm wie man meinen müsste. In manchen Stadtteilen Ammans laufen alle rum wie in einer westlichen Großstadt, das sind aber auch die Gegenden, wo die Reichen leben. Da fahren auch die neusten Mercedes- und BMW-Modelle rum, was sich ein Normalverdiener niemals leisten könnte. Frauen sind da dann meist auch unverschleiert und selbst Männer in kurzen Hosen habe ich gesehen (bei McDonalds, wo ich – natürlich – schon war. Hey, es gibt hier einen Chicken-BigMac!!!).

Ein Liter Diesel kostet hier übrigens ca. 15 cent, ein Liter Benzin 36. Ne Packung Zigaretten so ca. 1 Euro. Beides nützt mir nichts :-D . Gemessen am Einkommen ist das aber auch nötig, die verdienen z.B. 150 Euro im Monat in einer Werkstatt oder Schreinerei. Busfahren ist spottbillig, Essen auch (wenn man nicht gerade in das reiche Viertel geht), Kleidung sowieso – wenn man Geld hat kann man hier echt gut leben.

So, ich mach jetzt mal Schluss, es ist schon relativ spät und ich bekomme jede Nacht zu wenig Schlaf. Lasst mal was von euch hören, ich freue mich über jede Post, auch wenn ich sicher nicht jedem so ausführlich antworten werde. Unter www.brandismission.de werde ich auch regelmäßig was schreiben, sowie am dem Wochenende auch einige Bilder hochladen, damit ihr, wenn ihr Interesse habt, einen Einblick bekommen könnt. Also, viele Grüße an euch alle, machts gut, viel Spaß und haltet die Ohren steif ;-)