Kairo, die Zweite

admin | Januar 20th, 2005 - 21:27

So, 2 Tage sind inzwischen vergangen, und da wir eben nichts mehr vorhatten, sitzen wir alle 3 im Internetcafe – und ihr kommt in den Genuss eines kurzen Berichtes meinerseits!

Gestern waren wir also tatsaechlich im Aegyptischen Museum. Es werden wohl um die 100.000 Stuecke ausgestellt, und genau so fuehlt man sich auch, wenn man es betritt. Man weiss nicht, wo man anfangen soll, und wenn man erstmal eine zeitlang herumgelaufen ist, schwindet die anfaengliche Begeisterung doch, und man schaut eher fluechtig auf die meisten Ausstellungsstuecke.  Die Sarkophage z.B. sind natuerlich interessant, aber spaetestens nach dem 10. sehen alle gleich aus. Man hat auch irgendwie den Eindruck, dass einfach alles ziemlich planlos reingestellt wurde, irgendwie ist es ein Chaos und kein wirklich gutes Museum – der Schatz von Tutenchamun z.B. war dann aber doch absolut sehenswert, ebenso einige andere Dinge, teilweise schon unglaublich. Wir waren dann noch im Mumiensaal, wo man natuerlich extra Eintritt zahlen musste (mehr als fuer den Rest des Museums), was dann aber immerhin noch ein Hoehepunkt war. Leider kam eine Gruppe Japaner rein, die dann die Ruhe gestoert hat…. wie es halt so ist.

Wir kommen ueberhaupt in bisher alles (Ausnahme: die Pyramiden) zum Studententarif rein, weil wir ein Schreiben von der TSS haben, dass wir Volontaere in Jordanien sind und praktisch unentgeltlich arbeiten. Ist schon recht nett, weil die normalen Preise doch hoch sind (nicht im Vergleich zu Eintrittspreisen in Deutschland, aber eben fuer uns) – und es laeppert sich halt doch mit der Zeit.

Spaeter waren wir noch im Islamischen Viertel, wo wir durch den Basar gelaufen sind – unglaublich, wie viele kleine Touri-Shops es da gibt, das muss man gesehen haben. Mir hat es richtig Spass gemacht, durchzulaufen – manche Haendler sind zwar aufdringlich, aber generell ist es doch sehr schoen. Und das Handeln macht auch immer mehr Spass, wenn man einmal raus hat wie man es anstellen muss.

Am Abend sassen wir mit Konrads, Jessica und Christoph (der alleine eine Nordafrika Tour gemacht hat, ein halbes Jahr lang, nachdem er mit der Schule fertig war – mit 18 allein in der Islamischen Welt rumreisen, Respekt!) zusammen, was ein sehr netter Abend war. Wir haben wirklich Glueck, dass wir bei Herrn Konrad untergekommen sind, man bekommt wirklich schon ein schlechtes Gewissen, wenn man sieht, was fuer uns gemacht wird (heute z.B. Waesche waschen, jeden Tag Fruehstueck). Wir muessen uns noch irgendwie revanchieren.

Heute waren wir auf der Zitadelle. Von dort hat man einen schoenen Blick auf Kairo. Ausserdem gab es ein Polizeimuseum, das so schlecht war, dass es schon wieder gut war (nein, stimmt nicht, es war absolut mies) und ein Militaermuseum, in dem die glorreiche Aegyptische Armee und Mubarak gepriesen wurden – langweilig, aber die Darstellung war interessant. Ansonsten sind wir noch durch Downtown gelatscht, waren vorhin im Hilton-Hotel, um mal zu schauen, wie es von Innen aussieht, und am Nachmittag in der “City of Death”, wo ebenfalls Leute auf dem Friedhof gebaut haben und wohnen. Die Gegend ist aber richtig mies, und so standen ploetzlich 3 Maenner und ein Polizist vor uns und meinten, wir sollten gehen, es sei gefaehrlich. Der eine hat uns dann verfolgt, bis wir im Taxi sassen :-D

Jaaaa…. und dann ist gerade Opferfest in der Islamischen Welt. Teilweise war Blut auf den Strassen, ueberall lagen blutige Schafsfelle umher, und Steffen und ich haben die Schaechtung einer Kuh mit angesehen – mitten in Kairo auf dem Buergersteig. Den Schnitt haben wir nicht gesehen, weil zu viele Leute drum rum standen, aber sehr wohl den offenen Hals und wie lange die Kuh noch gelebt hat, bevor sie endlich tot war. Ich finde es schon sehr pervers, ein Tier auf diese Art und Weise zu toeten und ihm unnoetig Schmerzen zuzufuegen, aber es ist eben die Kultur. Ein wenig komisch war mir danach dann schon, nicht schlecht, aber ich war nicht gerade froehlich. Aber es war interessant, es zu sehen. Ein Mann hat z.B. seine Hand in das frische Blut auf dem Boden gedrueckt, ich weiss allerdings nicht warum. Ein anderer hat die Arme nach oben geworfen, als der Schnitt geglueckt war – die Kuh hat vorher allerdings auch wirklich 6-8 Mann in Schach gehalten, die sich alle auf sie gestuerzt haben.

Heute wurden wir ansonsten von Kindern genervt (“Hello”, “Welcome”, “What is your name”) – 2 Mal mag das OK sein, dann wird es nur noch aetzend, vor allem, weil sie aufdringlich sind und dann dumm lachen muessen. Kindisches Verhalten, ich weiss nicht, warum sie sich gegenueber Touristen so verhalten muessen. Wahrscheinlich gibt es oft irgend etwas abzustauben.

Gestern sind wir auf einen richtig tollen Trick hereingefallen. Wir haben ein Pizza-Restaurant gesucht, und ein Mann meinte, er wuerde uns eins zeigen. Zufaellig lag sein Shop auf dem Weg, und so wurden wir hereingebeten und uns ein Tee angeboten. Sollte “Beduin Hospitality” sein. Dann fing er bloederweise an, uns seine Papyrus-Bilder andrehen zu wollen, und nachdem dann irgendwann klar war, dass keiner etwas kaufen will, hat man richtig gemerkt, wie sauer er wurde – der Tee kam dann auch nicht mehr, weil angeblich der Coffeeshop gerade Pause hatte. Dummes Geschwaetz, ich war dann auch leicht sauer, weil es unheimlich dreist war. Man weiss dann irgendwann nicht mehr, wem man trauen kann, und selbst Leuten, die einem wirklich helfen wollen begegnet man dann misstrauisch. Das ist in Jordanien deutlich angenehmer. Aber wir hatten auch hier schon nette Begegnungen, so ist es nicht.

Morgen geht es auf nach Alexandria, mit dem Zug. Wir wollen wohl eine Nacht dort bleiben und dann zurueck nach Kairo, dort nochmal 2 Tage bleiben und dann den Norden hinter uns lassen und nach Assuan und Luxor weiterreisen (Tal der Koenige, der Staudamm, Tempelanlagen, Fahrt auf dem Nil usw).

Ich melde mich wieder, bisher war es echt toll, wenn auch Zeitweise arg anstrengend bei dem vollgepackten Plan, viele liebe Gruesse (immer noch) aus Kairo, Sebastian