laptop und internetzugang in jordanien!

admin | September 8th, 2004 - 15:49

ha, es geht!

ich sitze in meinem zimmer und surfe im internet. schön schön! und das zu spottpreisen, ca. 15 cent/stunde. dafür allerdings nur 56k.

gibt nicht so viel neues. habe eben einen ersten rundbrief an alle geschrieben, die im adressbuch stehen – ich hoffe ich habe keinen vergessen. falls doch, hier ist er nochmal, für alle einsehbar:

Hallo!

endlich komme ich dazu, euch mal ein wenig aus Jordanien zu berichten.

Eben habe ich noch 50 min von Deutschland-Brasilien gesehen, aber der Erzieher wollte ins Bett und so sind wir dann aus seinem Haus verschwunden… man sollte die Freundlichkeit ja auch nicht gerade ausnutzen. Ich hätte mich schon längst gemeldet, aber mein Adressbuch ist nur auf dem Laptop, und ich konnte mit eben diesem bis heute nicht ins Internet, und im Internetcafe hatte ich eure Adressen leider nicht. Naja. Ich habe hier 2 Zimmer, im einen ist ein Tel-Anschluss, der nur intern ging, jetzt aber freigeschaltet wurde, so dass ich a) direkt nach D telefonieren kann und b) im Internet surfen kann. Schöne Sache, vor allem weil es viel billiger (2,50 ‚Ǩ für 20 Stunden) und bequemer als ein Internetcafe ist…

Wo ich gerade beim Zimmer bin: Also, ich habe mit den 2 anderen Freiwilligen in einem Gang ein Einzelzimmer, mit Waschbecken, aber ohne Dusche + WC. Beides ist auf dem Gang und ziemlich versifft, um es mal gleich auf den Punkt zu bringen :-D . Dann arbeite ich ja in einer Familie, d.h. 20 Jungs im Alter von ca. 13-14 Jahren mit einem Erzieher. Ich unterstütze diesen Erzieher (er heißt übrigens Issa) indem ich mit den Kindern Hausaufgaben mache, mit ihnen esse und ihre Freizeit gestalte. Es gibt hier 7 Familien a 20 Kindern. Morgens sind sie in der Schule, so dass ich bis um 2 Uhr mittags frei habe, allerdings muss ich um 6:30 aufstehen und mit ihnen frühstücken. Donnerstag und Freitag habe frei, evtl. bald auch noch Samstag.

In den Familien gibt es einen Schlafsaal, einen Essensraum und einen Aufenthaltsraum sowie ein großes Bad. Zusätzlich befindet sich dort ein Zimmer für den Erzieher mit eigenem WC und eigener Dusche, in dem ich während der Woche übernachte. Das Klo ist aber nicht in wesentlich besserem Zustand… aber man gewöhnt sich an alles :-D

Die Schule selbst ist ein wenig heruntergekommen, was wohl a) an fehlendem Geld liegt und b) an mangelnder Einsatzbereitschaft der Leute hier. So nach dem Motto: Wenn es auch so funktioniert, warum sollte man was ändern? Demenstprechend ist der Spielplatz auf gut Deutsch gesagt im Arsch, was wir möglichst ändern wollen. Außerdem wollen wir den Kindern ein Umweltbewusstsein vermitteln, da sie momentan – wie die meisten Jordanier – den Müll einfach fallenlassen. Irgendwer wird dann zwischendurch zum Saubermachen verdonnert, aber es sieht trotzdem scheisse aus (auf Sandflächen kann man den Müll auch nicht zusammenkehren, da bleibt er halt liegen). Stört hier aber keinen.

Die Arbeit an sich ist momentan nicht so doll, was an meinen mangelnden Arabischkenntnissen liegt – die Kinder verarschen mich und hören nicht wirklich auf das, was ich sage, allerdings wird sich das in Zukunft wohl bessern. Ich brauche halt noch ein paar Tage, um reinzukommen und noch Wochen, um halbwegs arabisch sprechen zu können. Momentan werde ich darin von einem Erziher, der auch Deutsch spricht unterrichtet, so dass ich schon ein paar Brocken kann, auch wenn die Aussprache wohl zu wünschen übrig lässt, aber ich kann – wie die anderen – das r meist nicht korrekt rollen und das h nicht so hauchen, wie man sollte – verstanden wird man aber trotzdem. Die Kinder sind an sich ganz in Ordnung, sind halt nervige und superliebe dabei, aber das ist ja normal…

Die Leute hier sind alle sehr nett und hilfsbereit, ich möchte mal in Deutschland so empfangen und behandelt werden… auf der Straße wird man von wildfremden Leuten mit “Welcome to Jordan” angesprochen, wenn man jemanden nach dem Weg fragt geben sie sich richtig Mühe (Handy rausholen und Bekannten fragen, wo es ist – oder sagen, man soll in den BMW einsteigen, woraufhin man dann direkt hingebracht wird – was für ein Service! OK, als wir im Auto saßen und der Mann erzählt hat, dass er aus dem Irak kommt, war es ein wenig komisch, aber er war auch superfreundlich…) und generell wird man immer freundlich begrüßt und herzlich empfangen.

Wir haben schon sehr viel gemacht, abends zusammengesessen und Argile geraucht (Wasserpfeife), in Amman verschiedene Viertel besucht (das Treiben in den Straßen Abends ist der Wahnsinn), der Deutschen Botschaft einen Besuch abgestattet, leckeres arabisches Essen ausprobiert (außerhalb der Schule, das Essen für die Kinder ist eher erbärmlich: jeden Mittag Reis mit wechselnder Beilage, Morgens und Abends Fladenbrot mit SEHR spartanischer Beilage, z.B. ein Stück Käse oder ein Ei oder oder oder…), und natürlich mittags den Swimmingpool ausgiebig genutzt (mit den Kindern, was ein wenig stressig ist, wenn 60 im Wasser sind, aber bei 37 Grad im Schatten ist das dann erstmal nebensächlich). Amman an sich ist eine wahnsinnige Stadt, ich finde sie total faszinierend… und dabei habe ich erst einen Bruchteil gesehen. Jetzt am Wochenende geht es nach Jerash, wo es viele römische Ruinen gibt und etwas ausführlicher nach Amman. Wir haben nämlich 4 Tage frei, weil ein islam. Feiertag ist.

Morgen bin ich bei einem Jungen aus meiner Familie zum Mittagsessen eingeladen, ich bin schon gespannt… ich soll jeden Donnerstag zu einem anderen nach Hause (das Wochenende verbringen die Schüler nicht im Internat), um die Familien kennen zu lernen und zu sehen, aus welchem Umfeld die Kinder kommen. Außerdem ist es natürlich spannend, direkt in einer jordanischen Familie zu sein, da einfach alles ein wenig anders ist als in D. Einen Kulturschock habe ich aber noch lange nicht bekommen ;-) – nervig ist, mit langen Hosen rumzulaufen, sobald man das Gelände der Schule (im Übrigen 6,5 km2) verlässt, aber es ist nicht so schlimm wie man meinen müsste. In manchen Stadtteilen Ammans laufen alle rum wie in einer westlichen Großstadt, das sind aber auch die Gegenden, wo die Reichen leben. Da fahren auch die neusten Mercedes- und BMW-Modelle rum, was sich ein Normalverdiener niemals leisten könnte. Frauen sind da dann meist auch unverschleiert und selbst Männer in kurzen Hosen habe ich gesehen (bei McDonalds, wo ich – natürlich – schon war. Hey, es gibt hier einen Chicken-BigMac!!!).

Ein Liter Diesel kostet hier übrigens ca. 15 cent, ein Liter Benzin 36. Ne Packung Zigaretten so ca. 1 Euro. Beides nützt mir nichts :-D . Gemessen am Einkommen ist das aber auch nötig, die verdienen z.B. 150 Euro im Monat in einer Werkstatt oder Schreinerei. Busfahren ist spottbillig, Essen auch (wenn man nicht gerade in das reiche Viertel geht), Kleidung sowieso – wenn man Geld hat kann man hier echt gut leben.

So, ich mach jetzt mal Schluss, es ist schon relativ spät und ich bekomme jede Nacht zu wenig Schlaf. Lasst mal was von euch hören, ich freue mich über jede Post, auch wenn ich sicher nicht jedem so ausführlich antworten werde. Unter www.brandismission.de werde ich auch regelmäßig was schreiben, sowie am dem Wochenende auch einige Bilder hochladen, damit ihr, wenn ihr Interesse habt, einen Einblick bekommen könnt. Also, viele Grüße an euch alle, machts gut, viel Spaß und haltet die Ohren steif ;-)