Hausbesuche und neues Geschirr

admin | März 3rd, 2005 - 20:33

Lange nichts mehr geschrieben – das reißt noch ein. Ich werde echt faul.

Eigentlich wollten wir uns ja im Libanon befinden um diese Zeit. Leider mussten wir die Reise erst einmal verschieben, da die Sicherheitslage absolut nicht einzuschätzen ist. Hier wurde uns von allen Seiten davon abgeraten, und auch der Direktor der Schneller-Schule im Libanon meinte, man solle nur reisen, wenn es absolut dringend ist. So sind wir also dageblieben und hoffen mal auf eine Besserung der Lage.

Heute haben wir uns einen Mietwagen geholt um morgen nach Dana, einem Naturreservat, zu fahren. Soll richtig schön sein, wir werden also die nächsten 2 bzw. eher 1 1/2 Tage mit Wandern verbringen. Übernachten werden wir in einem kleinen Hotel, das ganz gut sein soll.

Tja, was gibt es sonst Neues… im Boarding-House ist so ziemlich alles beim Alten. Die Jungs haben alle neue Teller, Becher, Schälchen und Besteck bekommen und sind alle ziemlich happy gewesen, zumindest habe ich das bei mir in der Familie beobachtet. Ich bin froh, dass jetzt alle ausgestattet sind, denn viele hatten keine Tasse oder keinen Teller etc. Ich soll jetzt auch noch das Essen mit Messer und Gabel vormachen, da die Jungs immer alles nur mit den Händen (bzw. mit Fladenbrot, das als eine Art Schaufel verwendet wird) oder Löffel essen. Wird sicherlich nicht einfach, ich glaube nicht, dass sie da viele Interesse dran haben – wenn es auch anders einfacher geht… und sie sind es von zu Hause gewöhnt.

Gestern war ein Fußballmatch zwischen dem Boardinghouse und dem Lehrlingsheim hier an der Schule. Das war recht witzig, vor allem, weil die “Kleinen” aus dem Internat gewonnen haben. Haha! Die Lehrlinge wurden wohl als Strafe zum Putzen des Lehrlingsheims gezwungen. Dort wohnen die Jungs, die nach der 10. Klasse hier auf dem Gelände eine Ausbildung machen in der Schreinerei, der Metallwerkstatt oder der Autowerkstatt.

Heute waren wir bei 3 Jungs zu Hause, die Geschwister und alle auf der Schule hier sind. War ganz ok, auch wenn wir die meiste Zeit fern gesehen haben, da ihr Vater nicht da war. Der kam erst später und machte einen ganz netten Eindruck. Er ist von seiner Frau geschieden, sie wohnt im Norden in Ajloun und die Kinder eben bei ihm. Nur in den Ferien können sie ihre Mutter besuchen. Richtig ärmliche Verhältnisse sind es aber nicht, da habe ich schon deutlich krassere Sachen gesehen. Nächste Woche werde ich wohl zu Milad, einem Jungen aus meiner Family, gehen. Sein Vater ist offensichtlich bei der Army und ebenfalls geschieden von seiner Frau. Anschließend waren wir heute noch ein wenig shoppen, da Kleidung hier doch sehr billig ist. Heute Abend waren wir dann chinesisch essen, war richtig gut. Ich sage nur Chop Suey!

Ich melde mich wieder, wenn wir aus Dana zurück sind.

zu hause bei mohannad

admin | November 5th, 2004 - 19:46

nun habe ich groß angekündigt, dass ich gleich zu 2 kindern gehe, und was war? ich war natürlich nur bei einem. ich hatte einfach keine zeit mehr, noch zu khader zu gehen, und so war ich nur bei mohannad. hier noch was zum namen: der ist christlich, wäre er muslimisch, hieße es mohammad. man lernt hier so einiges! es war ein sehr schöner tag, bis jetzt die “beste familie”, bei der ich war. eigentlich will ich ja kein ranking einführen, es geht ja auch darum, die hintergründe kennen zu lernen, aber die eltern sind einfach sehr sehr nett, und sie sprechen ein paar brocken englisch, so dass ich doch nicht nur schweigend dasitzen musste :-D … sie haben wohl nicht so wahnsinnig viel geld, kein wunder bei 4 kindern – deshalb sind 3 davon auf der schneller schule. ich habe mit dem vater argile geraucht, und wir haben viel gelacht. war ein schöner nachmittag. später kamen noch bekannte, die auch sehr nett waren. zudem hab ich noch playstation gespielt (ich habe mich ganz gut geschlagen) und wir haben ein wenig tv geguckt, englisch mit arabischen untertiteln (malcom mittendrin und full house). auch ganz witzig. sie sind am ende sogar mit in den bus gestiegen und haben mich bis zur pforte der schule gebracht, das fand ich schon sehr nett, wenn auch nicht nötig. ich hatte diesmal ein paar fotos mit, von fritzlar und von unserem haus und meiner familie, die wurden ganz begeistert angesehen, hat ihnen sehr gefallen. kein wunder, der unteschied ist deutlich zu sehen, und die jordanier fahren ja auf alles ab, was grün ist – wer verdenkt es ihnen bei ihrer landschaft… :-D – wobei ich zur zeit die wüste recht reizend finde. aber das wohl auch nur nur, weil ich nie in so einer gegend gewohnt habe, nach ner zeit werde ich mich sicherlich nach wiesen und wäldern zurücksehnen.

sonst ist hier alles beim alten, wir haben erfahren, dass wir nach ramadan nur eine halbe woche ferien haben statt einer ganzen (seufz), morgen wird wohl viel gegammelt und gelesen bzw geschrieben… habe ein paar briefe und postkarten fertig, mal sehen, wann ich zur post komme. mittwoch war übrigens feiertag, das habe ich ganz vergessen zu erwähnen. der mann von einer der jordanischen prinzessinen (vielleicht gibt es auch nur die eine, weiß nicht genau) ist am dienstag gestorben. deswegen war dann am mittwoch keine schule und viele läden zu, und alle fahnen waren auf halbmast… nun ja. in deutschland nicht denkbar, wie das die wirtschaft runterziehen würde… ;-)

so, das wars erstmal aus dem wieder sehr warmen jordanien!

kleine jordanientour

admin | November 3rd, 2004 - 19:45

soso, ist bush also neuer präsident… eher enttäuschend.

heute waren wir mit einer deutschen reisegruppe auf tour durch jordanien, bzw. zu 3 orten: madaba, mount nebo und mukawir. die ersten beiden hatten wir zwar schon gesehen, war aber trotzdem schön. die aussicht von mount nebo ist einfach toll. in mukawir wurde johannes der täufer geköpft – viel zu sehen gibt es nicht, aber man hat ebenfalls eine tolle sicht auf das tote meer.

morgen gehe ich zu 2 meiner jungs nach hause. sie sind fast nachbarn, da kann ich gleich beide zu hause besuchen. wird sicherlich interessant, wenn ich auch wieder wahrscheinlich fast nicht kommunzieren können werde. wir werden wahrscheinlich in 2 wochen einen sprachkurs anfangen, hoffentlich erledigt sich das leidige kommunikationsproblem dann mal.

so, ich bin hundemüde und mache mich mal ins bett, man liest sich später ;-)

arm und reich in jordanien: unglaubliche erlebnisse

admin | September 25th, 2004 - 14:34

die letzten 2 tage beinhalteten einen krassen gegensatz.

donnerstag hat es endlich geklappt, und ich bin mit zu einem meiner jungs nach hause. aller guten dinge sind halt 3. steffen und eva sind beide mit, da sie eh nichts vor hatten. wir waren dann doch überrascht, als wir bei ihm zu hause angekommen waren – absolut ärmliche verhältnisse. einen eindruck bekommt man auf den bildern, aber die lade ich erst später hoch, habe im moment dazu keine zeit. jedenfalls bröckelt drinnen der putz von den wänden, es scheint keine heizung zu geben (ich weiß nicht, was sie im winter machen), die küche war eher eine kochstelle, und das klo war nur so ein ding, was im boden eingelassen ist und wo man hocken muss… die schlafen auf matratzen, die tagsüber an die wand gelehnt werden, damit in dem raum platz ist. schon wahnsinn, wenn man das sieht, und dann zum beispiel mit deutschland vergleicht – uns geht es echt seeehr gut. aber selbst die schneller-schule, bei der einiges für meinen geschmack in zu schlechtem zustand ist ist dagegen noch in einem guten zustand. die familie ist eine muslimische mit mind. 5 kindern (mehr haben wir nicht zu gesicht bekommen). 2 der söhne sind auf der schneller-schule. der vater war nicht da, aber der großvater, der leider kein englisch konnte. war sehr lustig, aber auch schade, weil man sich im prinzip über fast nichts unterhalten konnte. die kinder können ja auch nur einzelne brocken englisch, eher einzelne wörter. zu essen gabs dann mansaf, das nationalgericht, also eine große schüssel reis mit hühnchen drauf. die stand auf dem boden (wir saßen auf so polstern) und jeder konnte mit seinem löffel reingehen und essen. der opa hat sich nichtmal die mühe gemacht, den löffel zu nehmen, sondern mit den fingern reis gegriffen, in der hand zu nem ball geformt und dann in dem mund geschmissen – war echt ein unglaublicher anblick :-D . später haben wir dann volleyball im wohnzimmer gespielt, also und den ball zugeworfen… um 4 sind wir dann los, weil wir ja abends noch einen termin hatten.

abends waren wir dann also in der christian community in amman, wo eine party war. party bedeutet in dem zusammenhang ein großer raum mit ganz vielen gartentischen und -stühlen, einer tanzfläche und einem dj. wir haben ganz gemütlich zusammengesessen, bierchen geschlürft und auch mal getanzt – kurz zu arabischer musik, und dann kam englische. ihr werdet nie erraten, welches lied u.a. kam: aqua mit barbie girl. wir hatten jedenfalls unseren spaß… übrigens sind da alle altersklassen vertreten, ist eigentlich ganz cool.

freitag mittag war ich mit eva in amman, um ein paar sachen zu kaufen. das an sich ist nicht sonderlich erwähnenswert, aber auf der rückfahrt im bus (ja, wir haben es dank netter jordanier, die uns sofort geholfen haben, geschafft, den richtigen zu nehmen) saß vor uns und rechts von uns je ein palästinenser, die beide supernett waren (der eine wollte uns schon zu sich einladen, da mussten wir aber aussteigen – vielleicht nicht sooo tragisch in anbetracht der tatsache, dass er wie ein taliban aussah *lol*). leider gings dann irgendwann um ein leidiges thema: “we love all the german people. do you know why? we have the same enemy.” naja, sind halt palästinenser gewesen, der israel-hass ist entsprechend groß… die waren echt sehr sehr freundlich, aber sie haben halt diese meinung, und sie ist nicht richtig, aber es ist irgendwie auch verständlich, jedenfalls teilweise. natürlich nicht, dass sie hitler toll finden, aber wie soll man es ihnen erklären? als er mich dann fragte, was ich zu bombenattentaten der hamas sage, meinte ich, dass ich es nicht in ordnung finde, wenn unschuldige menschen sterben müssen, dass ich aber die politik israels auch nicht gutheiße. er meinte, es sei “self-defence”. außerdem erkennt er den staat israel an sich nicht an. hier merkt man deutlich, wie groß das problem mit israel und der arabischen welt ist… eva war froh, als wir aussteigen konnten, ich fand alles nicht so wild und ganz interessant. vor allem war es ja klar, dass uns früher oder später jemand sowas erzählen würde.

gestern abend waren wir im regency, einem fünf-sterne-hotel, auf einer hochzeit eingeladen. das haben wir aber erst mitbekommen, als wir da waren, wir dachten erst, es sei ein geburtstag… die info von najib, dem housefather und damit chef des internats hier war irgendwie wohl nur so so la la. ich war ein wenig underdressed, in anbetracht der tatsache, dass alle nen anzug anhatten, und ich nicht meinen – aber immerhin lederschuhe und n weißes hemd ;-) . hat uns aber keiner krumm genommen.

wir waren schonmal bei der schwester von najib zu hause eingeladen. die lebt eigentlich mit ihrem mann in den usa, kommt aber immer wieder her. ihre tochter hat geheiratet, und obwohl wir die vorher nur einmal gesehen haben haben sie uns eigenladen…wir wurden natürlich erstmal komisch angeguckt, aber alle leute waren sehr nett… war eine sehr große gesellschaft. an unserem tisch saß shadi. najib ist sein onkel, und er studiert in amman irgendwas mit computer, ist 22 und sehr nett. normalerweise lebt er in quatar. ansonsten saßen noch diverse junge frauen an unserem tisch, die irgendwie verwandt waren, fragt mich nicht. wir durften dann erstmal gleich am anfang schon tanzen, natürlich zu arabischer musik, was sehr lustig war. ich glaube, wir haben uns ganz gut geschlagen. es hat jedenfalls sehr viel spaß gemacht. wahrscheinlich waren wir ca. 1/3 der zeit von 8 bis 1 am tanzen. ansonsten konnten wir uns zu trinken bestellen, was wir wollten (was auf pepsi hinauslief), und irgendwie stapelten sich am anfang bei uns lauter whiskey-gläser, die wir unmöglich alle trinken konnten… wir haben sie nicht bestellt, aber najib hat wohl dem kellner gesagt, die special-guests aus germany mögen doch bitte ne extra-wurst kriegen. es gab ein großes buffet, inkl. nachtisch und davor natürlich vorspeise. die hochzeit war irgendwie besser als bei einer deutschen, die stimmung viel gelöster, jung und alt am tanzen, ansonsten viel stimmung an den tischen, wo auch mal aufgestanden und um den tisch getanzt oder einfach nur mitgeklatscht wurde. leider gab es dann vor der tür 2 kämpfe und einer hatte sowas wie nen herzinfarkt, was die stimmung ein bisschen gedrückt hat. ich muss nachher mal najib fragen, was los war. normalerweise passiert sowas aber nicht ;-) das ganze wurde ständig gefilmt und auf eine große leinwand übertragen, ich hoffe, wir können irgendwie an eine kopie des bandes kommen, falls es denn auch an gäste gegeben wird, das wäre ganz schön, auch, damit ich es mal zeigen kann.

und so waren wir nach einem monat auf der hochzeit in der high society. das ist auch der krasse gegensatz im vergleich zum vortrag bei abdallah, die hochzeit hat mit allem drum und drann bestimmt tausende dinar gekostet… natürlich haben wir gleich mal telefonnummern ausgetauscht und emailadressen, mit shadi, und mit raowen (sehr schwer schon zu sprechen, zu schreiben noch mehr :-D ). ersterer will mit uns mal bowlen oder schwimmen gehen oder generell was unternehmen, und letztere war einfach nur supernett, auch wenn sie wenig englisch konnte, so dass wir mit ihr in kontakt bleiben wollen und sie, wenn möglich, nochmal treffen wollen. aber wir werden sehen…

so, ich denke, ihr hattet jetzt genug zu lesen, ist ne menge, aber das ging jetzt nicht kürzer… ich muss gleich mal los, gucken, wann die jungs kommen, ich denke in ner stunde, dann geht der stress wieder los ;-) – naja, alles halb so wild. meinem fuß geht es im übrigen besser, aber er tut noch leicht weh. also, viele grüße nach deutschland aus dem immer noch heissen jordanien (ca. 35 grad)!

fußweh und goethe-institut amman

admin | September 21st, 2004 - 14:16

mein fuß tut saumäßig weh, ich kühle ihn gerade mit eis… kann kaum laufen. ich bin vorhin im dunkeln gestolpert und umgeknickt… so was blödes. hoffentlich is nix kaputt.

vor ner stunde war ich im fernsehen von dubai, die haben eine doku über die schule gemacht… allerdings sieht man mich nur inmitten einer schar kinder, also nix besonderes, schade eigentlich.

steffen, eva und ich werden donnerstag mit zu abdallah, einem jungen aus meiner familie, nach hause gehen… wenn ich es richtig verstanden habe, arbeitet sein vater für die regierung und holt uns mit nem offiziellen auto ab – wär schon was! am abend sind wir auf einer art party/disco/treffen in einem christlichen viertel in amman. freitag abend sind wir auch auf einer party eingeladen… volles programm, andauernd, und es scheint kein ende in sicht.

heute waren wir im goethe institut in amman, bei dem treff der deutschen frauen… war nicht sooo ergiebig (naja, frauenprobleme halt), aber ganz interessant… angeblich leben so ca. 600 deutsche frauen in amman, wieviele männer weiß ich nicht. ich habe schon zu steffen gesagt, dass wir mal ein treff für deutsche männer einrichten müssen ;-) ansonsten ist das institut nicht wirklich der bringer, und in die vorhande deutsche bibliothek konnten wir leider nicht rein, weil da ein lehrgang drin war… aber misch muschkele! (kein problem).

joa… sonst ist alles beim alten, die kinder werden ein bisschen braver, aber sie sind immer noch sehr aktiv und benehmen sich teilweise echt unmöglich – da bin ich aber ganz optimistisch, was die zukunft angeht. mein arabisch wird langsam besser, wir lernen jetzt verben und können die auch konjugieren… ist schon ganz praktisch, weil damit die kommunikation einfach besser klappt.

so, ich jammere jetzt ein wenig und bemitleide mich selbst mit meinem fuß ;-)