reisebericht syrien

admin | November 18th, 2004 - 16:53

heute komme ich also endlich dazu, mal was von syrien zu berichten.

diesmal war es eine art klassenfahrt, bei der wir mitgefahren sind, d.h. außer einigen wenigen lehrern waren lauter kinder von 12-16 jahren dabei, allerdings nicht so viele, dass es unüberschaubar geworden wäre. einige der kinder waren wirklich super, muss man ihnen lassen, und so hatten wir schon unseren spaß. die busfahrt war nicht so anstrengend wie die fahrt nach wadi rum und aqaba, allerdings war diesmal immer das radio im bus an, und zwar so laut, dass man sich tempos in die ohren stopfen musste. es ist mir immer noch unbegreiflich. es war nicht nur laut, sondern klang auch grauenhaft (wie man sich bei so eingebauten billig-lautsprechern sicher vorstellen kann), aber es schien niemanden sonderlich zu stören. kann aber genauso gut sein, dass man praktisch zwanghaft gute laune haben muss, da sagt man dann nix bezüglich der lautstärke, selbst wenn es zu laut ist.

wir waren am ende der hinfahrt wirklich müde, was uns dann fast noch vorgeworfen wurde, da wir nicht am singen und klatschen waren :-D – es ist in dieser hinsicht echt ein wahnsinniger unterschied zu deutschland, denn hier sind alle immer fröhlich, während bei uns ja z.b. so eine busfahrt im großen und ganzen doch eher ruhiger verläuft. ist halt ein anderes temperament, und die arabische musik regt natürlich auch eher zum trommeln etc. an, da ein gewisser ryhtmus vorhanden ist, was man von deutschen volksliedern ja nicht in der form behaupten kann ;-)

auf der rückfahrt sollten wir dann mal wieder ein deutsches lied singen, peinlich peinlich – was singt man da? echt schwer. vor allem, wenn alle einen erwartungsfroh anschauen und mit ihren trommeln warten, damit sie mittrommeln können. argh! wir haben dann “über den wolken” gesungen. war ja nicht meine idee, aber mir fiel nix besseres ein… was soll man da singen? typisches deutsches lied? war dann nämlich klar, dass sie es nicht so doll finden, man kann einfach nicht so mitgehen, wie sie es gewohnt sind. aber gefreut haben sie sich trotzdem.

zur busfahrt wäre noch zu sagen, dass der lehrer, der die reiseleitung übernommen hat, grundsätzlich zu laut ins mikro gesprochen und vorher immer reingepustet hat, das war auf dauer wirklich seeehr nervig. aber was soll’s…genug zur busfahrt.

syrien selbst ist ja schonmal nicht so einfach zu bereisen wie jordanien. allein mit dem visum ist es ein akt (zur deutschen botschaft, um empfehlungsschreiben abzuholen, dann zur syrischen fürs visum, beides natürlich nicht am selben tag möglich), und an der grenze dauert es auch relativ lange. an der macht ist hier immer noch eine sozialistische partei. seit 2000 sind zwar andere parteien zugelassen, aber ich weiß ja nicht, inwieweit da manipuliert werden kann und wird. syrien hatte ein bündnis mit der sowjetunion, und so sieht man in damaskus überall diese typischen ostblock-beton-wohnhochhäuser. hässlich! und vor allem derartig versifft, dass es schon nicht mehr feierlich ist. damaskus ist generell eine sehr dreckige stadt. allerdings gibt es viel mehr grünflächen, bäume und palmen als in amman, was wieder etwas ausgleichend wirkt. amman ist mir aber insgesamt doch lieber… wobei wir nicht sehr viel von damaskus gesehen haben, außer den wirklich beeindruckenden suq, eine überdachte einkaufsstraße, und die große moschee, deren name mir gerade entfallen ist. ich bin in diese moschee zusammen mit einer menschenmenge reingelaufen, steffen wurde von 2 kontrolleuren erwischt und musste 50 pfund zahlen (dank der inflation sind das lediglich um die 80 cent). wir wussten das nicht, sonst hätte ich den eintritt natürlich gezahlt. so dachten sie bei steffen halt, er wollte sich reinmogeln. ich musste dann sehen, wieder rauszukommen, ohne gesehen zu werden, hat auch geklappt. eva musste, wie alle frauen, so ne braune kutte anziehen, sonst hätte sie die moschee nicht betreten dürfen. sie wurde dann dank dieser kutte nicht erkannt und konnte auch so durchrutschen. es müssen nämlich nur ausländer zahlen… :-D die moschee an sich ist toll, hat nen großen innenhof und ist 140 meter lang, schon beeindruckend.

leider konnte man alles nicht soo genießen, ich hatte handy, kamera und geld in den taschen, als uns gesagt wurde, dass es viele taschendiebe gibt… und im suq war soviel los, dass ich mehr auf meine taschen achten musste als auf den markt an sich. zum glück kamen wir am nächsten tag da nochmal hin, so konnte ich dann da von vornherein weniger mitnehmen und es mehr genießen ohne die angst, beklaut zu werden. in damaskus ist noch ein großer teil der alten stadtmauer erhalten, was ganz schön ist. wie gesagt hat mich die stadt allerdings noch nicht so überzeugt, aber wir wollen auf jeden fall nochmal hin, um andere ecken zu sehen. irgendwie ist es aber schon cool, in damaskus gewesen zu sein, wenn man vorher noch irgendwann lawrence von arabien gesehen hat… ;-)

unsere unterkunft war ok, mit eigenem bad im zimmer und dusche etc, hat meinen ansprüchen völlig genügt. auf jeden fall ein guter ausgangspunkt, da diese art christliche herberge direkt in damaskus liegt. a propos christen: im gegensatz zu jordanien, wo vielleicht 2-3% der bevölkerung christen sind, sind es in syrien etwa 10 % der bevölkerung. generell ist das land nicht so vom islam geprägt wie jordanien, es laufen sehr viele, vor allem junge frauen, ohne kopftuch und sehr westlich angezogen herum. ich weiß allerdings nicht, wie es auf dem land aussieht. allerdings ist z.b. während des ramadan das öffentliche essen und trinken nicht gesetzlich verboten, was ja auch schon einiges aussagt. es leben ja auch längst nicht so viele palästinenser dort (3%), und man darf die sozialistische vergangenheit nicht vergessen. übrigens hängen überall bilder des ehemaligen und neuen staatschefs… der neue ist natürlich der sohn des im jahr 2000 verstorbenen alten. nicht, dass es hier demokratisch oder so zugehen würde… davon scheint syrien noch weeeeit entfernt. in jordanien sind ja überall bilder von könig abdullah und dem ehemaligen könig hussein zu sehen, wobei das in einem königreich noch mal was anderes ist, wie ich finde. jedenfalls verbindet es die menschen irgendwie.

vom land haben wir nicht so viel gesehen, außerhalb von damaskus haben wir eine kleine christliche stadt angeschaut, die ganz schön ist, und ansonsten 3 kirchen besichtigt (bzw. klöster). war auch ganz interessant, aber es gibt noch mehr zu sehen, alte überreste der römer usw. aber wenn wir in den libanon fahren, müssen wir syrien ja zwangsweise als transitland benutzen, da kann man sicher noch ein paar eindrücke mitnehmen. ansonsten waren wir noch bei einem fluß, der an einer stelle nen mini see gebildet hat. das wasser war voll mit müll und algen und total eklig, die jordanier waren aber alle total begeistert. sowas wie nen see gibt es hier ja auch nicht wirklich… war schon lustig, wie sie drauf abgefahren sind. wir sind dann noch in einem lächerlichen boot rumgefahren worden, was alle toll fanden. ich fands toll, wie alle begeistert waren, nicht die fahrt an sich :)

am letzten abend waren wir in einem restaurant, wo wir gegessen haben und die “darbietungen” angeschaut haben… erst eine sängerin, was nicht schlecht war, dann eine ziemlich hässliche bauchtänzerin (auch hier waren wieder alle begeistert, besonders die jungs, aber wir nicht wirklich), und zum schluss nochmal ein sänger. dummerweise hat das alles bis 3 uhr nachts gedauert, wenn man bedenkt, dass wir um 8:30 aufstehen mussten und erst um 4 im bett waren, war es nicht sonderlich schlau, so lange zu bleiben. viele kinder und selbst viele der erwachsenen waren auch total müde. aber es schien so, als müsste man jetzt mit gewalt das programm durchziehen. haben wir nicht so ganz verstanden.

die syrer sind teilweise sehr freundlich (welcome-rufe wenn man vorbeiläuft), wirkten auf der anderen seite teilweise aber auch viel aufdringlicher und unfreundlicher. wir sind ganz froh, in amman zu sein, und nicht in damaskus. aber es kann auch gut sein, dass unser eindruck nicht ganz stimmt. mal sehen, was wir nach dem nächsten syrien-besuch sagen. jetzt haben wir immerhin unser visum wieder verlängert (wir müssen alle 3 monate ausreisen, um bei der einreise ein neues zu bekommen), und einige schöne eindrücke bekommen – alles in allem hat sich die fahrt definitiv gelohnt. auch deshalb, weil ich mir eine trommel, 2 argile sowie 3 holztische gekauft habe… ich mache mal fotos davon und stelle sie zusammen mit den anderen online, vielleicht morgen, wenn ich dazu komme. ist ja immerhin ein freier tag. ansonsten ist alles beim alten, die muslimischen kinder sind wieder in der familie, weil ramadan rum ist, es herrscht mehr chaos als vorher, aber das gibt sich sicher wieder. die kleine familiengröße war aber definitiv besser. naja, was will man machen. so, genug geschrieben, ihr habt sicher noch andere sachen zu tun als derartig viel zu lesen!

zurück in amman

admin | November 17th, 2004 - 16:52

schön, wieder “daheim” zu sein!

aber syrien war auch nicht schlecht – später mehr. damaskus ist dreckig, aber auch wieder faszinierend zugleich… und araber haben sonnige gemüter. aber morgen, wie gesagt, mehr! wollte mich nur mal eben zurückmelden.