Israel

Über den Reisebericht

Der Reisebericht handelt von einer rund einwöchigen privaten Rundreise durch Israel im Frühjahr 2005. Welche Orte dabei besucht wurden, Tipps für den Aufenthalt und weitere Informationen können dem nachfolgenden Text entnommen werden. Impressionen zu den einzelnen Stationen finden sich in den jeweiligen Abschnitten.

Besuchte Orte in Israel

Mein Reisebericht über Israel umfasst die Besuche in den Städten Jerusalem, Tel Aviv, Hebron, Betlehem und Tiberias am See Genezareth. Andere Städte, wie beispielsweise die Küstenstädte Haifa oder Ashdod, konnten aus Zeitgründen bei diesem Trip leider nicht besucht werden. Auf der Karte verteilen sich die besuchten Ortschaften wie folgt:

Israel auf einer größeren Karte anzeigen

Der Schwerpunkt lag also auf Jerusalem und der umliegenden Region – kurze Wege waren bei einer einwöchigen Rundreise essentiell, auch wenn Israel ein kleines Land ist und man recht schnell auch zwischen den verschiedenen Ortschaften pendeln kann.

Einreise und Visum, “Getting around”

Die Anreise nach Israel erfolgte auf dem Landweg von Jordanien aus. Dabei ging es per Taxi von Amman, Jordanien aus an die jordanisch-israelische Grenze. Da wir zuvor die Länder Libanon und Israel besucht hatten, dauerte die Einreise bei uns länger als normal. Libanon und Syrien befinden sich offziell noch im Kriegszustand mit Israel, so dass die Kontrolle unserer Personalien insgesamt rund zwei Stunden Zeit in Anspruch nahm. In dieser Zeit saßen wir in einer Wartehalle und konnten nichts weiter tun, als Däumchen zu drehen und die nächsten Stationen unserer Reise zu besprechen. Zwischendurch mussten wir immer wiederholt dieselben Fragen beantworten, die sich um den Zweck unserer Reise, die geplante Aufenthaltsdauer und unsere Reisen in den Libanon und Syrien drehten. Damit wir mit den genannten Ländern bei etwaigen späteren Besuchen keine Schwierigkeiten bekommen würden (diese erlauben bei Israel-Stempel im Pass im Gegensatz zu Israel eine Einreise nämlich nicht), wurde unser Visum für Israel auf eine Karte gestempelt, die in unseren Pass gelegt wurde. Nachdem unser Gepäck durchleuchtet und gründlich durchsucht wurde, durfen wir endlich einreisen.

Von der Grenze aus ging es in einen klimatisierten Bus, der uns zusammen mit vielen anderen Reisenden nach Jerusalem brachte. Innerhalb Israels sind wir generell bequem mit Bussen zwischen den verschiedenen Orten hin- und hergefahren. Hilfreich ist hier ein guter Reiseführer wie beispielsweise der Lonely Planet Guide, der auflistet, an welchen Stellen Busse abfahren und welche Strecken bedient werden.

Jersualem mit Tempelberg, Yad Vashem, Klagemauer und mehr

In Jerusalem sind wir in einer Herberge direkt in der Altstadt abgestiegen. Nach einer Nacht war uns dann aber klar, dass ein Schlafsaal, wo ständig Leute raus- und reingehen und um 5 Uhr morgens Wecker klingeln doch nicht das Wahre ist. So sind wir in ein zwar doppelt so teures, aber immer noch billiges Hotel umgezogen. Die Zimmer waren zwar nicht wirklich sauber, warmes Wasser gab es auch nicht, und auf die Frage nach Handtüchern bekamen wir dann benutzte, nicht gewaschene, aber es war schon in Ordnung. Wir hatten immerhin eigene Zimmer, es gab kostenlos Tee, eine Dachterrasse mit toller Sicht auf die Altstadt und den Tempelberg und einer der Angestellten war auch sehr nett.

In diesem Hotel haben wir dann am letzten Abend einen Palästinenser kennen gelernt, der 11 Jahre in Deutschland gelebt hat und am nächsten Tag das 2. Staatsexamen für Jura hatte. Wir haben uns erst über alles mögliche unterhalten, bis wir schließlich zum Thema Israel und Palästina kamen. Er meinte, seine Meinung wäre natürlich nie objektiv oder würde zumindest nie als objektiv gesehen. Natürlich hat er Israel kritisiert, und in vielen Punkten hatte er durchaus Recht, in manchen Sachen ging es Richtung Verschwörungstheorie (Möllemann sei möglicherweise durch den israelischen Geheimdienst Mossad getötet worden, und dass Arafat vergiftet wurde sei ja auch allen klar). Davon kann man halten, was man will – sicher ist nur, dass den Geheimdiensten mancher Länder so ziemlich alles zuzutrauen ist ;) . Jedenfalls war es eine sehr interessante Unterhaltung.

Jerusalem an sich ist eher weniger aufregend, abgesehen natürlich von der Altstadt mit ihren engen Gässchen, den vielen Händlern usw. Selbstverständlich waren wir in den diversen religiösen Stätten wie der Grabeskirche, sind die Via Dolerosa entlanggelaufen (der Kreuzweg), waren in einigen Kirchen, auf dem Ölberg, dem Tempelberg, an der Klagemauer und im Garten Gethsemane. Israel wird ja nicht umsonst das “Heilige Land” genannt.

An einem Tag haben wir uns mit Volker, auch ein Freund von mir und Volontär in Jerusalem, getroffen. Er hat uns ein paar Ecken gezeigt, die wir sonst wohl nicht gesehen hätten, unter anderem das Viertel der Ultraorthodoxen Juden. Hier hatten wir schon den Eindruck, nicht willkommen zu sein. Da Volker nachmittags arbeiten musste, sind wir zur Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gegangen. Hier sind die Grausamkeiten der Nazis relativ gut aufgearbeitet. Ich hatte doch ein komisches Gefühl zwischen all den Juden herum zu laufen – was nicht an den ganzen Filmen, Bildern und Texten lag, sondern den Blicken, die uns teilweise zugeworfen wurden. Ich habe wegen diesen Blicken ganz gemischte Gefühle gehabt. Einerseits wollte ich in diesem Moment lieber eine andere Nationalität haben, andererseits kann ich nun wirklich nichts für die Vergangenheit Deutschlands. Leider wird in Yad Vashem nichts z.B. von den Beziehungen zwischen Israel und Deutschland nach dem 2. Weltkrieg geschrieben, so dass man – nachdem die Verbrechen des 3. Reich detailliert dargestellt werden – eigentlich nur ein negatives Bild nicht nur von Deutschland damals, sondern auch von heute haben kann. Wir hatten jedenfalls diesen Eindruck und fanden das ein wenig schade. Auf keinen Fall darf man die Geschichte vergessen, und es muss immer in Erinnerung bleiben, aber es sollte nicht zu Lasten der heutigen Generation sein. Auch über den Widerstand ist wenig zu sehen, von Deutschen, die Juden geholfen haben, wird einzig Oskar Schindler genannt. Leider werden fast nur die Verbrechen an den Juden behandelt; Sinti und Roma sowie Menschen mit Behinderungen, die genauso getötet wurden, finden wenig Beachtung. Da es eine Gedenkstätte für die ermordeten 6 Millionen Juden ist kann man das wohl auch nur bedingt erwarten. Inhaltlich und technisch kann man sonst nicht meckern. Es ist so viel Material angehäuft, dass man wohl einen ganzen Tag bräuchte, um alles zu lesen und zu sehen. Manche Dinge haben mich weniger berührt, wenn man dann aber ein Interview von einer Überlebenden sieht, die 7 Jahre alt war, als sie nicht er-, sondern nur angeschossen wurde oder wenn man einzelne andere Schicksale nachlesen kann und Fotos dazu sieht, ist man schon erschüttert. Besonders getroffen hat es mich, als ich über einen Glasboden gelaufen bin, unter dem eine große Anzahl Schuhe lag, die Juden vor ihrer Vernichtung im KZ Auschwitz ausziehen mussten und die dann auf einem Haufen gesammelt wurden. Mit der Zahl von 6 Millionen kann man nicht viel anfangen, der Verstand sagt einem nur, dass es schlimm ist – getroffen ist man dann erst, wenn man entsprechendes Material zu Gesicht bekommt. Am Ende ist man dann um so trauriger, wenn man weiß, dass zu viele aus der Geschichte nichts gelernt haben.

Betlehem und Hebron

Unser Aufenthalt in Israel war aber nicht nur auf Jerusalem beschränkt. Wir waren in Betlehem in der Kirche, die über dem Stall steht, wo Jesus geboren sein soll. Betlehem ist eine ganz normale arabische Stadt und außer der Kirche gibt es eigentlich nichts, was sehenswert wäre. Die Stadt liegt im Palästinensischen Autonomiegebiet. Wir sind von dort aus weiter nach Hebron gefahren, wo uns nach kurzer Zeit ein Araber nicht mehr von der Seite gewichen ist und uns eine Stunde lang herumgeführt hat. In Hebron gibt es mitten in der Stadt jüdische Siedler. Grenzstraßen sind total leer, man sieht kaum Menschen, dafür Soldaten und Kontrollposten. Das war schon sehr krass, vor allem, als uns dann erzählt wurde, dass es jeden Tag Ärger gibt. So bewerfen sich jüdische und arabische Kinder wohl des Öfteren mit Steinen, und auch die Erwachsenen wenden natürlich Gewalt an. In Hebron gibt es zu allem Überfluss eine Moschee, die für beide Religionen ein Heiligtum darstellt, da hier Abraham begraben liegen soll. 1994 drang ein jüdischer Siedler in die Moschee ein und erschoss 35 betende Muslime, seitdem gibt es strengste Sicherheitsvorkehrungen und auch wir wurden natürlich durchsucht. Es ist irgendwie so aufgeteilt, dass abwechselnd Moslems und Juden hinein dürfen. Uns war schon sehr mulmig, als wir direkt in dieser kritischen Zone herum gelaufen sind und so waren wir dann froh, als es wieder zurück nach Jerusalem ging. Natürlich wurde unser Bus am Kontrollpunkt dann auseinander genommen. Alle Männer durften aussteigen und ein Soldat hat dann uns draußen, ein anderer die Frauen drinnen kontrolliert. Bei uns gab es keine Probleme, aber wir hatten nicht nur dieses Mal den Eindruck, dass es einigen der Soldaten Spaß zu machen scheint, sich einen oder mehrere Araber herauszupicken und ein wenig zu schikanieren. Sie haben eben die Macht und können im Prinzip machen, was sie wollen.

Tel Aviv

Nachdem uns erzählt wurde, dass “Jerusalem nicht Israel” sei, haben wir dann beschlossen, nach Tel Aviv und Tiberias zu fahren. Es stimmt schon, in Jerusalem kommt man oft auch mit seinen Arabischkenntnissen weiter, in Tel Aviv dagegen überhaupt nicht mehr. Witzig war, dass wir mehrmals auf Hebräisch angeredet wurden. Für uns war das neu, weil wir in Jordanien und allen anderen arabischen Ländern immer sofort als Ausländer erkannt wurden, hier aber durchaus zur Bevölkerung gehören könnten. Tel Aviv ist eine schöne Stadt, besonders die Lage am Mittelmeer ist natürlich genial und dank des langen Strandes kann man auch super baden oder sich einfach nur ans Meer setzen und den Moment genießen.

Tiberias

Ein Tag westliche Großstadt war uns dann aber auch genug, und so waren wir noch einen Tag in Tiberias am See Genezareth. Hier wurden wir von Sintflutartigen Regenfällen überrascht – damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Eigentlich wollten wir Fahrräder mieten, das fiel dann aber buchstäblich ins Wasser. Immerhin schien später wieder die Sonne und wir hatten noch einen schönen Tag. In unserem Hotel hatten wir dann sogar deutsches Fernsehen. Welcher Luxus! Einmal mehr ist uns dann aber gleichzeitig wieder aufgefallen, dass auf allen Kanälen Müll am laufenden Band kommt. Außer Nachrichten und ein paar Reportagen vermisse ich in dieser Richtung hier nun auch wirklich nichts.

Fazit

Abschließend lässt sich zu Israel sagen, dass das Land sicher einen Besuch wert ist. Sympathisch wird es mir dadurch aber nicht. Erstens ist es zu teuer (teilweise teurer als Deutschland), und zweitens hatte ich zu oft das Gefühl, nicht erwünscht zu sein. Außerdem kritisiere ich die Politik der Regierung, die Israelis halten sich mehrheitlich offensichtlich für etwas Besseres als die Palästinenser und der Umgang der Israelis mit letzteren ist oft nicht in Ordnung. Ich sympathisiere eher mit den Arabern nach all dieser Zeit hier. Ich hoffe, dass sie ihren Staat bekommen, aber ich habe eher den Eindruck, dass es hier noch viele Probleme geben wird. Was ich auch nicht mochte, waren die ewigen Kontrollen. Selbst vor jedem Supermarkt wird man durchsucht und auf Dauer ist das doch sehr nervig und anstrengend. Das Volk ist (verständlicherweise?) sehr paranoid. Geschockt war ich, als wir erfuhren, dass Männer 3 und Frauen 2 Jahre Wehrdienst leisten und danach noch bis zum 40. Lebensjahr oder länger jedes Jahr ca. 1 Monat lang Dienst leisten müssen. So hat der Staat natürlich eine riesige Armee, aber ich als Wehrdienstverweigerer finde es ziemlich krank. Ich denke, mit einer anderen Politik könnten sie sich vieles ersparen in dieser Hinsicht.

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